Die Promenade als Linden-Allee

4.7.2021. Zu schwach für moderne Kriegstechnik waren im Lauf der Jahrhunderte die alten Stadtmauern.  In Wien entschied deshalb Kaiser Franz Joseph I. am 20.12.1857,  sie abreißen und durch eine mehrspurige Ringstraße ersetzen zu lassen. Ein Zeichen der Zeit. Denn 1789 wurde in Paris der französische König verhaftet und hingerichtet. Die Alleinherrschaft der Monarchie wurde angegriffen.  Im westfälischen Münster entstand schon 1770 ein Ersatz für die Stadtmauern, nach Plänen des bayerischen Arhitekten Johann Conrad Schlaun (1695- 1773): Eine Lindenallee. Statt dicker Stadtmauern blühende Bäume. Diese Allee heißt, nach mehrfacher Umgestaltung, heute Promenade  und umschließt in 4.500 Meter Länge die gesamte Altstadt In der Nähe sind sämtliche Sehenswürdigkeiten. Wenn man siebzehn Jahre dort lebt, ist das ideal für Spaziergänge und für die Gestaltung des täglichen  Lebens. Die Außenbezirke dahinter sind überschaubar und kein ständiges  Ziel, auch nicht der große Aa-See, direkt hinter der westlichen Promenade, wo auch die Speisenräume der Universitäts-Mensa Tausende von Studenten durchfüttern.

So ein begrenztes, schnell durchschaubares  Gesamtbild prägt, auch die Vorurteile. Zum Beispiel: „In Münster regnet es entweder oder es läuten die Glocken.“ Bei der Orientierung von Stadtbesuchern helfen angeblich die vielen Kirchtürme. Der Dreißigjährige Krieg wurde 1648 im Friedenssaal des Rathauses von allen beteiligten Staaten unterzeichnet und auch eingehalten. Hundert Jahre vorher, 1536, hatte die Kirche eine Menge Ärger mit den Wiedertäufern. Hier findet man die bösen Einzelheiten:

https://luft.mind-panorama.de/?s=wiedert%C3%A4ufer&x=17&y=9 

Ein entscheidender Unterschied der ländlichen Gegenden zu den bekanntesten  Großstädten ist immer die Überschaubarkeit, die Transparenz, also Durchsichtigkeit. Zum Alltag gehören viele Probleme, die nicht versteckt bleiben. Sie sind an allen längeren Theken Stadtgespräch, jeder gibt seinen Senf dazu. Die Lokalzeitungen sind verschwiegen, aber Krawalle und Streitigkeiten haben eine Eigendynamik. Deshalb lösen sich die meisten geräuschlos auf. Das spart Energie und Kosten, ist aber manchmal langweilig. Als ich später einen Bekannten nach dem Grund seiner Auswanderung fragte, meinte er nur trocken, „Dort kannte ich jeden Stein.“ Das ist zwar nicht möglich aber nachvollziehbar ist der Eindruck einer Unbeweglichkeit und eines Stillstands.

Die unruhigen Weltstädte und ihre Sümpfe sind da ganz anders aufgebaut, aber die zappelnde Oberfläche täuscht. Die Abläufe im Kleinen sind den großen Spielereien sehr ähnlich. Doch jedes komplizierte Labyrinth verwirrt, wenn man den langen roten Faden nicht hat, der am Anfang einfach liegen bleibt und bei jedem Wiedertreffen klar macht, „Hier warst Du schon einmal!“ Macht man einen Bogen um solche Stellen, ist man viel schneller am Ziel und vermeidet Kraftvergeudung. Weil Zeit auch immer in Geld umzurechnen ist, liegt das Gold förmlich auf der Straße, bleibt aber meistens unsichtbar. Dann ist es Märchen-Gold. Zaubern ist nur dann möglich, wenn ein Lehrling auch sein Handwerk gründlich gelernt hat und nur das weiß, was er auch gebrauchen kann. Solche Träume machen sogar ganz schnell wach, weil sie unerfüllbar sind.

Vor tausend Jahren war das anders. Überall in Europa entstanden riesige Kathedralen. Sie wurden sehr aufwändig von reisenden Handwerkern gebaut, die nicht an eine einzige Firma gebunden waren. Sie führten die Pläne von Meistern aus, die sich mit der Bildersprache der Symbolik genau auskannten. Jede Mauer, jede Säule, Dekoration und jedes Fenster hatten eine größere Bedeutung. Zum Thema der Symbolik gibt es hier bereits über 270 Artikel:

https://luft.mind-panorama.de/category/6-die-magische-welt-der-symbolik/bilderschriften-6-die-magische-welt-der-symbolik/ 

Der finanzielle Wert spielt dabei zunächst keine Rolle, weil es sich um ganz andere Sachthemen handelt. Wer Klaviere zu Konzerten transportiert, muss die Instrumente gar nicht spielen können. Wer mit Musik Geld verdienen will, muss sich aber damit auskennen.

So ist es auch mit vielen Zeichen der Vergangenheit. Die alte Bildersprache der starken, körperlosen Symbole ist im Lauf der Jahrhunderte immer mehr vergessen worden. Sie sind immerhin das Fundament des Universums und der Weltordnung. Es sind die sichtbaren Zeichen Gottes, die der Menschen erkennen kann. Dazu passt Edward Elgars „Nimrod“. Nimrod ist eine viertausend Jahre alte Sagen-Figur. Ein Jäger und der erste König auf der Welt. Elgar macht daraus eine Hymne auf die Natur:

https://www.youtube.com/watch?v=NhnMd1Jl7SA 

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