Schlafende, aber aufwachende Randgebiete

25.9.2020. Randgebiete sind Nebensachen. In den bekannten Staaten der Welt sind es oft Grenzgebiete, die vernachlässigt werden. Bis zum endgültigen Fall der Berliner Mauer 1989 landeten Autofahrer oft an der eingezäunten, abgeschlossenen Zonengrenze der DDR. Man konnte nicht einfach durchfahren, sondern musste draußen vorbei. Auf der westdeutschen Seite gab es dort kaum noch Investitionen. Die jungen Leute zogen weit weg. Ein Taxifahrer meinte, „Geblieben sind nur die Rentner. Und diejenigen, die an Allem Schuld sind.“ Niedrige Mieten und Verkaufspreise waren kein fairer Ausgleich. Die stillen, landschaftich wetvollen Regionen verödeten. Heute sieht man auch Vorteile: Im Osten war kein Geld mehr, um neue Städte zu bauen. Das rettete sie vor dem Abriss. Längst sind alte Landschaften wieder ereuert, behutsam, und viele Stadtbilder haben eine erhaltene, gute Bausubstanz. Wer im Stadtzentrum des thüringischen Weimar unterwegs ist, fühlt sich zurückversetzt in die Goethe-Zeit vor dreihundert Jahren. An der westfälischen Westgrenze zu Holland wurden ganze Stadtzentren rücksichtslos abgerissen und hässlich wieder aufgebaut, unter zeitlichem Hochdruck und mit billigen Bau-Materialien. Seit 1980 ist meine Geburtsstadt nicht wiederzuerkennen, und im überschaubaren Zentrum dominieren mehrstöckige, eintönige Klinker-Bauten aus unverputzem rotem Ziegelstein. Damals brach auch noch die gesamte deutsche Textilindustrie zusammen, wegen der preiswerten Konkurrenz aus dem Fernen Osten, Asien, wo Niedriglöhne gezahlt wurden. Das träge deutsche Mangement passte nicht auf, und über Nacht mussten viele Fabriken schließen, die vorher ganze Stadtzentren ausfüllten und plötzlich leer standen, als optisch sehenswerte Industriedenkmäler, aber ohne Arbeiter und deren Löhne, mit vielen leeren Räumen.

Die Bauplanung in ganz Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg hat einen chaotische Flickenteppich erzeugt. Vorher sind Jahrhunderte lang Städte ganz langsam gewachsen, und es gab viele unberührte Naturlandschaften. Nachdem Kriegsbomben fast Alles zerstört hatten, drückte man auf das Tempo und die Geldmaschinen.

Billige Schnellbauten mit hässlichen Einheitsfassaden zersiedelten das ganze Land, auch im Mittelpunkt der Großindustrie, im Ruhrgebiet, das zu einer einzigen Riesen-Stadt immer mehr zusammengewachsen war, dessen wertvolle Fabrikanlagen aber schließlich geschlossen und ausgemustert wurden.

Man muss und darf als Nachgeborener nicht darüber lachen, kann aber staunen, wie viele Fehler damals im reichen Nachkriegsdeutschland gemacht wurden. Eine verschwenderische „Freizeit-Gesellschaft“ (Helmut Kohl) breitete sich aus wie Schlingpflanzen im Sumpf, wurde immer bequemer und träger. Deutliche Frühwarnzeichen wurden übersehen, und jetzt haben wir die Bescherung.

2015 begnn die Flüchtlingskrise. Eine Million Menschen reiste nach Deutschland ein. Bundeskanzlerin Merkel pochte am griffbereiten Mikrofon immer wieder auf christliche Werte und Hilfe. Selbst in Afghanistan hielten arme Menschen selbst gemalte Pappschilder in die Fernsehkameras, mit dem deutschen Satz „Mutti Merkel, wir danken dir.“

Dabei hätte ein Blick in das Grundgesetz gereicht. Dort steht, kurz und knapp: „Politische Verfolgte genießen Asyl.“ Mehr nicht. Kriegsflüchtlinge oder Wirtschaftsflüchtlinge sind damit nicht gemeint. Merkels winkende Willkomensgrüße wurden sehr teuer. Sie selbst war in der DDR eine FDJ-Abteilungsleiterin und musste sich dabei nie um Flüchtlinge kommern. Natürlich auch nicht um die eigenen deutschen, zur freien Ausreise bereiten Massen an Republikflüchtlingen, die aus der DDR nicht herausgelassen wurden und dort einen immer stärkeren Innendruck erzeugten, wie bei einem gefährlich überhitzten Dampfkessel.

2015 landeten die Flüchtlige aus Afrika zunächst in Italien, wei es nahe und schnell ereichbar war. Augerechnet das arme Süditalien wurde zunächst mit den ganzen Problemen allein gelassen. Transportiert wurden die Flüchtlinge von professionellen Schlepperfirmen, die sie selbst gut bezahlen mussten.

Der 47jährige Politiker Matteo Salvini war im Juni 2018 der italienische Innenminister. Er verlor die Geduld mit dem Chaos. Mit Kriegsschiffen ließ er die Schlepperboote stoppen oder schickte die Füchtlinge einfach weiter nach Deutschland, wo Angela Merkel als segnende, dauerlächelnde Mutter Teresa wartete, und die Staatsschulden schlagartig vermehrte, die für deutsche Hilfsbedürftige und italienische Gastarbeiter plötzlich weg waren. Spurlos verschwunden, wie die vorherigen europäischen Milliarden für Süditalien. Matteo Salvini hat dagegen energisch Flagge gezeigt, aber schon nach zwei kurzen Jahren war er als Innenminister selbst weg, mit Hilfe römischer Freunde, die gar keine waren.

Italien ist nur ein Beispiel, aus einem Nachbarland. Der umfangreiche Stoff wird im Detail, weiter behandelt. Man findet das in der Themen-Übersicht, rechts unten auf dieser Seite.

Carl Orffs Meisterwerk über die Gerechtigkeit der Fortuna, Imperatrix Mundi, und über das Alltagsleben der einfachen Leute vor 1.000 Jahren, die „Carmina Burana“ (Bauernlieder) gibt es auch in einer faszinierenden Konzert-Aufzeichnung von der „University of California Television“ (UCTV). Die Musiker sind vermutlich junge Studenten oder ältere Dozenten aus der Computer-Welt, dem Silicon Valley. Das ist ein Erlebnis: Ein großes , lebhaftes Orchester mit Chor, Solisten, die akzentfrei auch lateinisch und althochdeutsch singen. Hier ist es:

https://www.youtube.com/watch?v=QEllLECo4OM

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