Reformationsfeuer und Novembernebel

31.10.2020. Mit dem heutigen Tag endet der Oktober. Am Beginn dieses Monats wurde, zum ersten Mal hier der Begriff einer „neuen Welt“ verwendet, die auf den Trümmern der alten Zustände, bereits deutlich erkennbar ist und ganz neu entsteht.

Der bevorstehende November gilt, genau dazu passend und pünktlich, als Zeit des endgültigen Abschieds, der vorbeigehenden Trauertage. Vorher gab es noch Gutes: Das Erntedankfest (1. Oktobersonntag) und am Ende den Reformationstag (31.10.) Jetzt aber drohen, im grauen November-Nebel, vier düstere Termine: Allerheiligen (1.11.) Allerseelen, Volkstrauertag (2.11.) Buß- und Bettag (Mittwoch vor Totensonntag). Totensonntag ( eine Woche vor dem 1. Advent und vier Sonntage vor Weihnachten). Das muss man jedes Jahr einfach überstehen, kann aber auch ein guter Grund zum gründlichen Nachdenken sein. Über die Fehler der Vergangenheit und Gegenwart.

Was tot ist, hat einen Endpunkt erreicht und muss eigentlich Platz machen, für Unverbrauchtes, Neues. Das aber ist nicht selbstverständlich, wie sich jetzt zeigen wird.

Im Oktober gab es nämlich noch zwei angenehme Gedenktage. Das Erntedankfest war am ersten Oktobersonntag. Es feiert seit Ende März, in einer sechsmonatigen Reife-Zeit, den früher sehr anstrengenden, körperlichen Ackerbau der einfachen Bauern, vom blühenden Frühlingsbeginn, über die Reife der Früchte im Hochsommer, bis zur endgültigen Bilanz im Herbst. Diese Halbjahres-Bilanz zeigt den Erfolg oder Misserfolg. Das ist die konkrete Rückschau auf die eigene Arbeit und das restliche Leben, ist deshalb auch in allen anderen Bereichen wichtig, durch die wirksamen Gesetze, vor Allem bei den finanziellen Geschäftsergebnissen, die über den Zustand eines ganzen Staats entscheiden und über die Fähigkeiten der vielen, viel zu vielen Politiker und Spitzen-Manager. Auch diese Webseite ist eine vorläufige Lebensbilanz.

Erstens: Zum heutigen Reformationstag und seinen halb vergessenen Gründen berichtet das zuverlässige Wikipedia-Lexikon: „Am 31. Oktober 1517 schrieb Martin Luther, im unterwürfigen Ton eines Bettelmönchs, direkt an den damaligen Mainzer Erzbischof. Er äußerte seine tiefe Sorge über die ständigen, aktuelle Streitigkeiten, die sich in der Bevölkerung immer mehr steigerten, über den finanziellen „Ablass“, den restlosen Verkauf der persönlichen Sünden, durch die bequeme Zahlung von Bargeld. Luther vermutete, dass die ständigen, merkwürdigen Ablass-Versprechen des eifrigen Dominikanermönchs Johann Tetzel ohne Kenntnis und Zustimmung des Mainzer Erzbischofs verfasst wurden. Er legte dem Beschwerdebrief seine eigenen  95 Thesen bei, zur großen, dringenden Reform der Kirche.“

„Die heftig umstrittenen, viel zu großzügigen, finanziellen Ablass-Versprechen für alle Sünden, kamen direkt vom damaligen Papst Leo X. sollten aber vor Allem den geplanten Neubau des Petersdoms in Rom finanzieren und auch dem Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg tatkräftig mit Geld helfen, durch neue Einnahmen, zum Bezahlen seiner hohen Schulden, beim sparsamen, reichen Bankhaus der Fugger. Thüringens kluger Kurfürst Friedrich III. war jedoch ein energischer Gegner dieser finanziellen, also oberflächlichen, materiellen Werbung für den, jetzt viel zu leicht käuflichen Pauschal-Ablass aller persönlichen Sünden Er sah im lukrativen, geldgierigen Ablasshandel aber auch eine schädliche Konkurrenz für seine eigene Pilgerstätte, die Reliquiensammlung in Wittenberg.“

„Ab dem 22. Januar 1517 ließ der Dominikanermönch Johann Tetzel als kirchlicher Generalbevollmächtigter für die materielle Ablasskampagne, sogar noch eine grobe Version der umstrittenen Ablassanweisung des einnahmefreudigen Papstes auf Papier drucken, um dessen finanzielle Gewinne noch weiter zu erhöhen. Er selbst verdiente selbst daran auch, 80 Gulden im Monat und weitere Vergünstigungen.“ 

Das ärgerte aber Martin Luther in Wittenberg. Seine eigenen, energischen Ideen zur Reform der sündigen Kirche, formulierte er deshalb in 95 kritischen Thesen. Das war der offene Beginn der wachsenden, spannungsgeladenen Kirchenspaltung und späteren, scharfen Trennung der beiden wichtigsten Konfessionen in Deutschland. Damals war das sehr mutig, denn die knallharten römischen Strafverfolger der Inquisition bedrohte jeden kritischen Ketzer mit Haft. Verhören und dem Lebensende, auf einem öffentlichen Scheiterhaufen, im Feuertod.

Der Ablasshandel ging jetzt aber zu weit. Luther hat sogar noch auf dem Reichstag in Worms, im Mai 1521, dem Befehl von Kaiser Karl V. widersprochen, seine Ideen sofort zu bereuen und zu widerrufen. Als vertrauter Schützling seines eigenen Kurfürsten, Friedrich dem Weisen, versteckte Luther sich auf der sicheren Wartburg und übersetzte dort die, bisher nur für gelehrte Akademiker verständliche, bisher allein zulässige lateinische Bibel vollständig in die deutsche Sprache, im deftigen, leicht verständlichen Ton des „ungebildeten“ Volkes. Er meinte trotzig: „Man soll dem Volk öfter auf das Maul schauen.“ Deshalb wurde er auch überall gut verstanden und fand immer mehr treue Anhänger.

Die ursprünglich christliche Volkskirche, mit dem herrschenden Vatikan in Rom, hatte sich vorher, immer stärker vom ursprünglichen Glauben des Neuen Testaments entfernt. Schon die offene, friedliche Bergpredigt von Christus hatte unglücklicherweise seinen grausamen Tod am römischen Kreuz in Jerusalem ausgelöst. Seine späteren Nachfolger im zentralen Vatikan missbrauchten in Rom mittlerweile, rücksichtslos ihre Macht und ihren Reichtum. Doch für seine Jünger, die ihm auf einen Berg folgten, , erklärte Jesus von Nazareth in seiner Bergpredigt den tatsächlichen Willen  Gottes ganz neu. Er verglich seine eigene, neue Lehre mit dem Berg Sinai. Dort empfing Moses die Zehn Gebote von Gott persönlich. Die Bergpredigt ist deren endgültige Auslegung, in verschärfter Form, zum Beispiel beim Armutsgebot und der Feindesliebe.

Außerdem enthält die Bergpredigt, viele einzeln überlieferte Sprüche von Jesus, in der Tradition der „Weisheits-Literatur“. Jesus verknüpft das mit Armut, Trauer, Demut, Sanftmut, Gerechtigkeitssuche, Barmherzigkeit, reinem Herzen, Friedensstiftung und Leidensbereitschaft, wegen der drohenden Verfolgung. Seine Gleichnis-Worte vom „Salz der Erde“ und vom „Licht der Welt“ verpflichten die Anhänger außerdem, immer auf sichtbare, reale Wirkungen zu achten. Dazu kam die Warnung vor heuchlerischen, falschen Glaubenslehrern. Und das Gleichnis vom Hausbau, auf Felsen oder auf Sand, für ein Leben im Einklang mit den Grundsätzen der Bergpredigt – oder gegen sie.

Das ist zur Zeit, auf der ganzen Welt, sehr aktuell. Die vielen gegenwärtigen Welt-Krisen, vor allem die medizinischen Verbote und Einschränkungen wegen der Corona-Epidemie, verschärfen sich übermorgen, wenn am Montag ein neuer Lock-Down beginnt, mit der Schließung von Gaststätten und anderen beliebten Gemeinschafts-Treffpunkten. Heute wählt die Weltmacht USA auch noch einen Präsidenten. Beide Kandidaten sind jedoch nicht mehr jung genug, für eine „neue Welt“.

Im November wird man ganz deutlich erkennen, trotz des düsteren Nebels in den Naturlandschaften, welche Fehler der Vergangenheit, in der „alten Welt“, tatsächlich zielstrebig noch mehr verringert werden oder ganz verschwinden. Sonst wird das Neue Jahr nicht erfreulicher, auch nicht für Optimisten. Im Dezember ist Advent, wörtlich das Warten auf die „Ankunft“ eines Erlösers. Christus hatte sich bei seinem eigenen Prozess in Jerusalem, selbst als „Gottes Sohn“ bezeichnet. Damit erregte er den heftigen Zorn seines Todfeindes, des Hohepriesters Kaiphas und von dessen Anhängern. Kaiphas setzte beim römischen Richter Pontius Pilatus gnadenlos ein Todesurteil durch, wegen angeblicher Gotteslästerung. Christus ist aber die irdische, sterbliche Erscheinungsform von Gott selbst.

Im noch bevorstehenden Dezember werden wir wissen, ob es eine Neubesinnung gibt. In jedem Menschen wirkt die universale, kosmische Energie des Allmächtigen Baumeisters aller Welten. Diese Kraft verschwindet aber dann, wenn es, trotz aller Warnzeichen, so weiter geht wie bisher.

.