Robinsons einsame Insel

18.3.2021. Wie Alexander Selkirk tatsächlich gelebt hat, interessiert heute kaum Jemand, aber der Autor Daniel Defoe (1660 – 1731) hat ihn unter einem erfundenen Namen weltberühmt gemacht: Robinson Crusoe. Der landete nach einem Schiffbruch auf einer verlassenen, exotischen Insel und musste selbst sehen, wie er dort überlebte. Früchte und Trinkwasser gab es im Überfluss, also gewöhnte er sich daran. Erst nach Jahren landeten Seepiraten zufällig auf der Insel, und es gelang ihm, sie zu verlassen. Das ist tatsächlich passiert, aber Daniel Defoe hat seine ganze Phantasie entfesselt, um daraus eine große Abenteuergeschichte zu machen. Dabei schreibt er sachlich, wie in einem Tatsachenbericht, aber die Insel entfaltet ständig neue Bilder und Entdeckungen. Das Bild ist sehr aktuell. In der Gegenwart können die Meisten essen und trinken, was sie wollen, außerdem verreisen, Freizeitmöglichkeiten auskosten. Seit einem Jahr gibt es dafür Grenzen, aber auch zeitliche. Denn das Leben kann gar nicht so weiter gehen. Robinson kam auch wieder nach Hause, in seine gewohnte Umgebung. Darüber erfahren wir nichts Näheres. Aber heute ist die Heimatliebe stark angeschlagen.

Gründe zur Unzufriedenheit gibt es viele. Persönliche Lebensziele werden nicht erreicht. Das Einkommen reicht auch nicht. Lebensfreude ist sehr teuer. Die Erziehung drängt zwar zur Mäßigung, zur Beachtung der eigenen Grenzen. Das gelingt Vielen aber überhaupt nicht. Schon früh werden Pläne geschmiedet, damit man überall dabei sein kann. Das ist die Stunde der Falschspieler. Betrüger. Täuschen, Klauen, Geliehene Verkleidungen und Autos. Zurückgeben will man Nichts, sondern noch mehr Einstecken, sich einmischen, große Dinger drehen. Nicht Alle sind so, aber Viele. Und dann geht das Licht an. Sehr grell. Oder jahrelang wachsen Halbschatten, Nebel und Sümpfe.

Als Dauerzustand funktioniert das nicht. Neben der berechtigten Sorge um die Zukunft wächst jetzt auch die Angst vor der Rückkehr in die alten Gleise und Querverbindungen. Denn sie haben jetzt alle Tarnkappen verloren und zeigen offen, was noch da ist. Wenn es keine Substanz hat, ist es wertlos. Schlechte Gewohnheiten sind klebrig. Aber sie verschwinden nicht von selbst und auch nicht mit faulen Tricks, sondern werden dann immer auffälliger. Wie ein gewohntes Markenzeichen, das Jeder sofort erkennt. Deshalb sind klebrige Menschen mit vielen Klammergewohnheiten ein Risiko, weil sie sich eine andere Relität zusammen phantasieren, in der sie stören und Schaden anrichten.

Neben der Überfülle an Einzelproblemen ist das sogar die größte Lücke. Gute Kochrezepte kann man entwickeln und verfeinern, aber nicht mit Betrügern. Ganz konkrete Beispiel dafür sind die letzten großen Finanzskandale. Nicht nur WireCard und Open Lux, die schon in jedem Lexikon stehen. Dort waren es Eingeweihte in den höchsten Höhen ihrer Gemeinschaften. sie werden jetzt von den Gerichten ganz klein zerlegt und abgeschaltet. Das gleiche Klima ist lebendig und aktiv an vielen Orten. Der Einzelne kann gar nicht viel dagegen machen, aber es spricht sich herum. Die großen Geldverstecke in Panama haben hellwache Mitwisser verraten, und sie können überall sein. Vor Allem, wenn Plaudertaschen dabei sind, die sich ärgern, weil sie nicht genug bekommen können vom reich gedeckten Tisch. Einzelne Personen sind dabei gar nicht wichtig, auch sie haben ein Recht auf eine geschützte Privatsphäre. Aber die Abläufe, die Methoden bleiben nie im Dunkeln. Wenn es dann in den Medien landet, sind Alle dran. Vor Allem die Spitzen des leuchtenden Weihnachtsbaums kennt Jeder, der dort Geschenke sucht. Da nützen auch keine Drohungen, der Zug setzt sich in Bewegung, so wie sein Fahrplan aufgebaut ist.

Wichtigtuerei gehört auf keine Seite, auch nicht bei den Wahrheitsfanatikern. Jeder merkt selbst, auf welche Seite er gehört. Einmischen tun sich sowieso immer, viel zu Viele, bei der Planung, Gewinnverteilung und später beim Saubermachen. Solche Saubermänner können von Natur aus schon sehr unangenehm sein, aber wenn sie in Fahrt sind, kann Niemand sie mehr bremsen.

Nachdem das Alles offen auf dem Tisch ist, schmecken die Kochrezepte nicht mehr. Alle Buchhandlungen haben große Abteilungen dafür, aber viele Zutaten sind wertlos oder schädlich. Neue Köche stehen Schlange, aber die freien Plätze werden weniger und die Kundschaft passt immer genauer auf. Wer trotzdem Koch werden will, muss Qualität bieten. Oder ganz aufhören.

Über den Komponisten Rossini (1792 – 1868) sagte ein Kollege, „Bevor er überhaupt Musik schreiben kann, muss er drei halbe Hähnchen essen.“ Das macht gar nichts. Was er der Welt hinterlassen hat, ist immer noch sehr würzig und schmeckt. Zum Beispiel eine turbulente Aufführung seines „Barbiers“ im Jahr 2016, aus dem Opernhaus im spanischen Sevilla (147 Minuten):

https://www.youtube.com/watch?v=QMWFijOxn_w

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