Seeräuber aus dem Norden

14.11.2020. Die Wikingerzeit endete vor tausend Jahren. Sie begann in Skandinavien, dann setzten sich abenteuerlustige junge Leute in ihre Schiffe und begannen gewaltsame Raubzüge als Schiffsräuber (Wikinger) in mehreren Nachbarländern. Einen einzelnen, konkreten Familien-Namen (Übersetzt: Sohn des Adlers) findet man vor Allem in Dänemark, wo sie herkamen und in Holland, wo sie sich breit machten. Kurz hinter der deutschen Grenze ist damit Schluss. Weiter ist diese Gruppe nicht gekommen. Aber auch meine Familie an der deutschen Westgrenze trägt diesen Namen, der dann in Deutschland geographisch fast ganz verschwindet. Andere Seeräuber tauchten sogar in Südfrankreich und in Köln am Rhein auf. Karl der Große (748 bis 814 n. Chr.), der für seine eigene Macht sogar in Spanien und im fernen italienischen Rom kämpfte und gezielte Plünderungen durchführte, war damals König des mächtigen Frankenreichs. Eine der wichtigsten Gestalten im Frühmittelalter, dem einsamen Höhepunkt der deutschen Geschichte. Karl begann 797 sogar eine Freundschaft mit dem berühmten orientalischen Herrscher Harun al-Rashid („1001 Nacht“) und wurde 800 im Aachener Dom, am ersten Weihnachtstag, vom römischen Papst Leo III. persönlich zum Kaiser gekrönt. Er ärgerte sich über die groben Sitten und die Raubzüge der unerwünschten Seefahrer aus dem kalten Skandinavien. Er selbst verbreitete aber auch mit Waffen, gewaltsam das Christentum. Die wilden Skandinavier waren jedoch ungläubige Heiden, die ihre eigenen Götter hatten. Karl förderte außerdem großzügig die Kultur und Kunst. Viel später, im Jahr 1952 blieb von allen Regionen, die sich noch als deutsche Freistaaten bezeichnet hatten, nur noch Bayern übrig, mit den drei großen fränkischen Regionen im Norden das Landes. Nicht so ganz gescheite Münchner nennen sie „Beute-Franken“, ganz oben im kühlen „Bayerisch-Sibirien“. Aber sie sind direkte Nachbarn des früheren Freistaats Sachsen und des immer wichtigeren Thüringen, mit vielen diskreten, heimlichen Kreuz- und Querverbindungen dorthin. In Thüringen steht auch die historisch-politisch wichtige Wartburg, und dort versteckte sich der mutige Martin Luther (1483 – 1546) vor den Jägern des Kaisers Karl V., nachdem er als unnachgiebiger, widerspenstiger Ketzer von der Kirche für „vogelfrei“ erklärt wurde. Jeder durfte ihn ermorden. Er war offiziell ein Freiwild, eine allgemeine Beute.

Aber Heinrich der Vogler war aber vorher, von 919 bis 936, noch König des stolzen Ostfrankenreichs. Er ist eine zentrale Hauptfigur in Richard Wagners „Lohengrin“, der auch die starken Spannungen zwischen den heidnischen Friesenkönigen und den kampflustigen christlichen Herrschern thematisiert. Alte germanische Sagen sind auch die Grundlage für den vierteiligen „Nibelungenring“ des bedeutenden Komponisten, mit dem letzten eigenen Wohnsitz in Franken.

Eine Hauptquelle für ihn waren die alten Sagen der Edda. Sie beginnen in der finsteren, menschenleeren Urzeit, in einem frostigen Eisland (Island) und enden grausam, mit dem „Ragnarök“, dem kriegerischen Weltuntergang. Dort heißt es: „Schwarz wird die Sonne. Die Erde sinkt ins Meer. Vom Himmel verschwinden die heiteren Sterne. Da   sehe ich auftauchen, zum zweiten Male, aus dem Wasser die Erde und wieder grünen. Einen Saal sehe ich, heller als die Sonne, mit Gold bedeckt. Da werden bewährte   Leute wohnen und, ohne Ende, die höchste Ehre genießen.“ Vermutlich stammt dieser friedliche Schluss von christlichen Missionaren. Die Germanen kannten kein Pardon, kein Mitleid bei ihren Kämpfen und Raubzügen.

Die alten Sagen sind symbolische Bilderschriften. Sie enthalten zeitlose Wahrheiten und Erfahrungen, die für das Universum gelten. Für alle Länder. Für eine sehr frühe Weltordnung, deren ewige Gesetze heute immer mehr vergessen oder missachtet werden. Das alte Thema vom Weltuntergang ist zu einer dauernden, weltweiten Dauerkrise geworden, die zum Nachdenken zwingt.

Hauptursache sind Fehleinschätzungen und falsche Bewertungen, gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Im Osten entstand schon 1949 eine strenge Diktatur mit Totalüberwachung, die keine Ahnung von der Ökonomie hatte und deshalb innerlich, von Anfang an, immer mehr zerbröckelte. In Westdeutschland jedoch begann, im gleichen Jahr, Ludwig Erhard tatkräftig und sehr erfolgreich mit dem „Wirtschaftswunder“, das die ganze Welt erstaunte, aber seltsamerweise keine Nachfolger oder Erben hatte, auch nicht in den angeblich freiheitlich-demokratischen Nachbarländern bis zum Mittelmeer.

Zeitlos gültig, aber trotzdem später gar nicht mehr beachtet und geprüft: Dieser plötzliche Reichtum, im bitter armen Nachkriegs-Deutschland. Nach der totalen Zerstörung der deutschen Städte durch Kriegsbomben, bis 1945, kam sehr rasch die wirkungsvolle Rettung, erfunden vom Wundermann Ludwig Erhard. Seine Rezepte funktionieren immer noch überall und steigern auch das private Vermögen, den finanziellen Spielraum, vor Allem für gering verdienende, einfache Leute.

Trotzdem: Andere, auch ganz große Staaten, machen das immer noch nicht nicht nach. Nicht einmal heute, nach dem Ende des Kriegs, schon vor 75 Jahren ! Hier gibt es tatsächlich gefährliche Wissenslücken, die man eigentlich leicht schließen kann, die sonst aber schwere, lang dauernde Folgeschäden auslösen, die immer weiter versteinern und neue Belastungen erzeugen, zusätzlich zu allen bereits vorhandenen politischen, ökonomischen Krisen und damit auch bei den steinharten, völlig nutzlosen Spannungen, bei den relativ rasch aufzulösenden, weiter herrschenden sozialen Ungerechtigkeiten.

Hier kann man sich genau darüber informieren:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswunder

Wie geht es jetzt weiter? Zur Zeit weiß das Keiner. Aber schon Christa Wolf (1929 – 2011) schrieb vor Jahrzehnten: „Die Vergangenheit ist nicht vorbei. Sie hat noch nicht einmal begonnen.“ Frau Wolf war eine gefeierte Autorin in der DDR, bis 1990. Trotzdem hat Keiner das verstanden oder ernst genommen. Die Zukunft ergibt sich aber nur aus dem konkreten Vergleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dann werden die Ursachen klar. Und die realen, aktuellen Lösungsmöglichkeiten. Ludwig Erhard kannte die richtigen ökonomischen Stichwörter: Freie Konkurrenz. Preisdämpfender Wettbewerb. Verbot von heimlichen Preisabsprachen zwischen mächtigen Konkurrenzfirmen. Förderung legaler Gewinne und tatkräftiger, privater Unternehmungen. Gemäßigte Besteuerung von hart erarbeiteten Erfolgen. Die Pflicht zur Unterstützung der Armen, durch Gewerbesteuern und staatliche Subventionen. Leider wurde auch das ausgenutzt, von raffinierten Wirtschaftsbetrügern.

Da hilft keine verträumte Nostalgie, die passive Sehnsucht nach der Vergangenheit. Man muss sie aufmerksam studieren, aber langweilige Reden von Spitzenpolitikern übertreffen sich nur gegenseitig, mit wertlosem Geschwätz.

Ludwig Erhard starb am 5. Mai 1977, aber wie konnte man ihn vergessen? Seine Ideen sind wirkungsvolle Heilmittel, nicht für alle Probleme, aber für die wichtigsten nach seinem Tod. Aus satter Selbstzufriedenheit im bequemen Überfluss hat man die offenen Fragen schon lange nicht mehr ernst genommen. Wenn sich das nicht ändert, wird es nicht besser. Überall im Land.

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