September vor 76 Jahren

18.7.2021. Was nach dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren geschah, wird immer besser bekannt. Die Blickrichtungen der Wissenschaftler sind unterschiedlich, aber alle Einzelperspektiven ergeben ein Gesamtbild. Eine Stunde Null war auch der 2.9.1945, das Ende des Zweiten Welkriegs. Europa lag in Trümmern, vor Allem Deutschland war fast völlig zerstört. Schon vorher, seit 100 Jahren, haben Filme und Berichte die Außenwelt gemeinsam dokumentiert. Phantasie und Technik haben die Fakten immer mehr vergrößert. Damit wurden Lücken geschlossen, aber auch Märchen erzählt. Wichtig bleiben die sicheren Stufen zum Erfolg. Erste Privatwohnungen entstandenwieder,  durch günstige Staatskreditte und die  gemeinsame, gegenseitige  Unterstützung, bei der Nachbarschaftshilfe. Die ganz großen Projekte erledigte der Staat.  Dann gab es eine neue Währung, die Deutsche Mark (DM). Am Anfang bekam Jeder den gleichen Betrag, aber es gab noch viel mehr Besitz, aus Erbschaften, Grundstücken, Sachwerten und finanziellen Ansprüchen. Dann kam die Fresswelle, in der sich Jeder, nach den Hungerjahren, satt machte, am Anfang durch kleine Äcker im Garten, Hühner und Schweine. Bald schossen große Supermärkte in die Höhe, die vergleichsweise preiswert waren. Gesparte eigene Privatautos sorgten für Beweglichkeit, ließen kleine Läden massenhaft verschwinden und setzten die ersten Reisen ins benachbarte Ausland in Bewegung.

Über Allem schwebten die Regeln von Ludwig Erhard, die Ursache für das gerade beschriebene Wirtschaftswunder, das innerhalb von zehn Jahren die zerstörten Trümmerwüsten zum Blühen brachte. Zum Thema „Ludwig Erhard“ gibt es hier schon über 30 Artikel:

https://luft.mind-panorama.de/?s=ludwig+erhard+&x=7&y=6

Man kann die Erkenntnisse von Erhard  jahrelang studieren und trotzdem in der wirkungslosen Theorie landen, aber die ökonomischen Hauptregeln waren Volltreffer: Förderung der Konkurrenz, um eine beste Qualität zu erreichen und möglichst niedrige Preise. Maß halten,  also Bescheidenheit und Sparsamkeit. Wer die gerade erwähnten Artikel liest, findet noch viel mehr solche Hinweise, die aber leider nur noch zum Teil beachtet werden. Das Ergebnis ist die Erfolgsbilanz jedes einzelnen Staates. In der Vergangenheit haben Computerprogramme vor Allem Daten gesammelt und frei zugänglich gemacht. In Zukunft wird die Auswertung noch eine viel größere Rolle spielen.

Das heißt: Die Trennung von Hauptsachen und Nebensachen, die viel mehr als Archiv, als Informationssammlung gebraucht werden. Noch mehr bringt die Bewertung von Details, hilfsweise nach Schulnoten von Eins bis Sechs. Daraus ergeben sich Zwischenergebnisse, also schon die genauen Bruchteile des Gesamterfolgs. Der Vergleich mit Fakten der Vergangenheit und Gegenwart erzeugt Veränderungskurven, die nach unten oder nach oben zeigen. Damit lassen sich die kompliziertesten Projekte planen, in der Politik, der Betriebswirtschaft, Kultur und im Privatbereich. Der Horizont, das Gesamtpanorama, lässt sich jederzeit erweitern, aber es darf zu keinem Durcheinander kommen.

Die Kameralistik, die Buchführung, soll eigentlich für Klarheit sorgen. Sie wurde immer wichtiger nach dem Dreißigjährigen Krieg in Europa, von 1618 bis 1648. Auch sie sollte den Aufbau der kriegszerstörten Städte beschleunigen und wurde bis heute immer mehr verfeinert. Vor vier Jahrzehnten galt sie auch als Stolperbremse. Bei der doppelten Buchführung mussten wir handschriftlich jede einzelne Einnahme und Ausgabe in die zwei langen Spalten eines Kassenbuchs eintragen. Das Endergebnis beider Listen musste gleich sein. Wenn nur ein ganz kleiner Unterschied auftauchte, mussten wir stundenlang nach der Lücke  suchen. Heute werden solche Miniaturbeträge einfach niedergeschlagen und abgehakt. Damals verlangsamten und behinderten sie die wichtigere Arbeit. Ohne Buchführung sind große Finanzbewegungen gar nicht vorstellbar. Darum ist die Qualitäts-Auslese besonders wichtig. Bei jeder Ernte werden die schlechten Früchte weggeworfen.

Immer schon haben Staatslenker und Alleinherrscher versucht, die Besten für sich arbeiten zu lassen. Dabei gab es viele Störmanöver, denn fette Beute lockt auch Raubvögel an. In Diktaturen können das nahe Verwandte sein oder falsche Freunde, die mit Täuschungsmanövern erfolgreich sind. Jeder größere Apparat wird damit kaputtgemacht oder so stark heruntergewirtschaftet, dass er innerlich ausgehöhlt wird, unbemerkt und einfach zusammenbricht, weil das Fundament keine Belastung mehr aushält.

Dafür gibt es Kennzahlen. Alarmsignale, die nicht verborgen bleiben. Wer sie trotzdem nicht beachtet, hat nur vorübergehend Freude daran. Leider werden fleißige Mitarbeiter manchmal dafür verantwortlich gemacht. Aber ein Erdbeben kündigt sich tief im Inneren an, tief unter der Oberfläche. Seismographen, sehr feine Messinstrumente,  können das frühzeitig, über große Entfernungen registrieren. Oft ist es trotzdem nicht möglich, die Folgen vorauszusagen. Ganz anders jedoch in der Ökonomie. Was dort passiert, kann frühzeitig erkannt und beeinflusst werden. Geschieht das nicht, gibt es Ursachen, die schnell feststellbar sind. Wenn auch das nicht geschieht, öffnen sich alle Vorhänge, Seitentüren und Zugänge zu den materiellen und finanziellen Schäden.

Die Spurensuche ist eine gut bezahlte Aufgabe der staatlichen Behörden und von Wirtschaftsprüfungsfirmen. Leider kam es dabei zu schweren Pannen. Das Thema „Wirecard“ muss hier nicht wiederholt werden, es wurde schon von vielen Köpfen zergrübelt, aber außer den bekannten Abläufen fehlen noch  ein paar andere Untersuchungen. Betriebswirtschaft hat mich erst seit dem Beginn der beruflichen Jahre interessiert. Viel theoretischen Wissen wirkte dabei  wie Zahlenspielerei, Experimente, die aber in der Praxis eine große Rolle bekommen. Vorher legte die Schule ganz andere Gewichte: Die Naturwissenschaften und die Kultur. Erstaunlich war es dann, wie viele Verknüpfungspunkte es zwischen ganz unterschiedlichen Bereichen gibt. Eine Musikpartitur ist wie das Regelwerk einer großen Maschine oder Organisation. Wenn man die Gesetze versteht, findet man sie überall. Auch einfache Lieder können die Wirkung haben, die eine große Orgel in einem Kirchenraum bei den Zuhörern auslöst. Zum Beispiel Bachs Toccata und Fuge in D-Moll:

https://www.youtube.com/watch?v=ho9rZjlsyYY

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