Sommernächte und Meeresbilder

31.1.2021. Der Monat Januar endet mit Sommernächten und Meeresbildern. Das Wetter draußen sieht ganz anders aus, aber es gibt andere Perspektiven. Die Phantasie. Die Vorfreude. Erinnerungen. Und zwei Musikstücke mit dem Titel dieses Kommentars, von Hector Berlioz und von Edward Elgar. In den letzten Tagen habe ich sie besonders oft gehört, weil die Aufnahmen so gut waren. Die Sängerinnen Janet Baker und Sarah Connolly. Beide haben schon viele Winter erlebt, aber als sie das sangen, waren sie jung. Und der Text ist zeitlos. Gerade im Winter denkt man nicht nur an Dunkelheit, sondern auch, wie es in einem halben Jahr draußen wieder aussieht. Das ist die stärkste Zeit des Jahres, die Natur erreicht ihren Höhepunkt. Spätabends sind die Gärten voller Menschen, Lichter und Erlebnisse. Naturbilder beleben auch das Innere.

Am 19.1.21 ging es hier um die „Meeresbilder“, am 16.3.17 um die „Sommernächte“:

https://luft.mind-panorama.de/nuits-dete/

https://luft.mind-panorama.de/elgars-meeresbildet/

Allerdings kann es sein, dass dieses Jahr so ähnlich ist wie das letzte, als Ende März plötzlich alle Treffpunkte schlossen. Trotzdem kann man hoffen und planen. So war es auch früher, in den Hungerjahren des Mittelalters oder im letzten Weltkrieg bis 1945. Wenige Jahre später begann im total zerstörten Deutschland das Wirtschaftswunder. Es war keine Zauberei, sondern die Realisierung der gesammelten Ideen von Ludwig Erhard. Als Minister konnte er sie auch durchsetzen. Dann kam die Fresswelle gegen den Hunger, die Eigenheimwelle für Privatwohnungen, die Autowelle und die Reisewelle. Im nahen Ausland wurde das bestaunt, aber nicht nachgemacht, obwohl die Regeln immer noch gelten und hier bereits mehrfach erklärt wurden. Davon nur das Wichtigste:

Zum freien Wettbewerb gehört die offene Konkurrenz, damit der Beste sich durchsetzt. Und die größte Qualität. Wenn die Kosten dabei gering bleiben, ist der deshalb der Umsatz am höchsten und der Gewinn. Heimliche Preisabsprachen zwischen Firmen, Steuerhinterziehungen sind strafbar und lösen hohe Geldzahlungen aus. Gleichzeitig sollen die Armen Unterstützung finden. Nicht nur das ist ausgenutzt und missbraucht worden. Das ganze System funktioniert nur bei Ehrlichkeit und der Einhaltung aller Regeln, wie im Sport. Trotzdem passieren riesige Betrügereien und Finanzskandale, die Jeder mitbekommt. Auch wenn es noch andere Schlupflöcher und Verstecke gibt, über die aber an Jeder Biertheke geredet wird, bis sie in den Medien noch genauer durchleuchtet werden.

Kehrt man, in Gedanken zurück zu den ersten Nachkriegsjahren, waren Deutschland damals eine zerstörte Trümmerwüste. Damals halfen Regeln, die eigentlich immer noch gelten, aber verschüttet wurden. .In den letzten Jahren war das immer mehr erkennbar.

Ende der Sechziger Jahre gab es, trotz Wohlstand, bereits große Straßendemonstrationen, mit vielen Berliner Studenten, die Neues schaffen wollten. Später steigerten sich sogar Gedankengebäude, die Alles noch mehr verändern wollten, oft auch mit falschen Methoden. In den Achtziger Jahren steigerten sich noch mehr Krisen und Zwischenfälle. Dann wurde die Oberfläche ruhiger, aber darunter wuchsen unbemerkte Spannungen. Vor dreißig Jahren brach sogar der gesamte politische Ostblock zusammen. Feindselige Systeme lösten sich geographisch auf und vermischten sich.

Staatsgrenzen öffneten sich, aber das Innere der Menschen war geprägt von ihrer jahrzehntelangen Vergangenheit. Politischer Frieden war also nicht das Ende der inneren Spannungen. Ihre Ursachen waren sehr unterschiedlich, aber sie hatten wenige Haupt-Themen: Soziale Ungerechtigkeit. Politische Unfähigkeit. Schlechte Angewohnheiten. Missbrauch der Technik. Unter diese vier Überschriften kann man die meisten Probleme packen, die hier bisher in insgesamt 781 Artikeln zu lesen waren. Das heißt: Eine immer höhere Zahl ungelöster Probleme, aber auch Lösungsmöglichkeiten.

Warum die Pannen nicht verschwinden, hat die gleichen vier Haupt-Ursachen. Bewiesen wird das jeden Tag durch neue Informationen aus dem Internet. Zahlen. Veränderungen. Skandale. Management-Fehler. Das wird auch nie verschwinden, aber es lässt sich verbessern. Ein Universalgesetz ist das Doppelprinzip, die Dualität. Zur Dunkelheit gehört also das Licht, auf den Sommer folgt der Winter. Das gilt überall. Weil es voraussehbar ist, kann man es auch planen und daraus wichtige Projekte machen. Wenn das Ergebnis schlecht ist, sind Fehler passiert, die sich immer besser vermeiden lassen. Durch Programme, die eine große Menge an unterschiedlichen Daten erfassen, sortieren und einzeln bewerten. Daraus ergeben sich Parameter. Kennzahlen, die Rechenformeln aufbauen.

Das sind keine Seifenblasen oder Hirngespinste. Sondern die Details eines Projekts. Eine Basis für statistische Prognosen. Analysen. Noten, Klangwerte in der Musik.

Diese Parameter entstehen aus Gedankensystemen, die Ideen und realistische Lösungen enthalten. Auch das ist keine Nebelwolke, sondern hat oft funktioniert. Im Beruf bei der Rettung einer wackelnden Firma. Vor dreißig Jahren wurden schwerfällige Staats-Behörden in Konzerne umgebaut. Statt juristischer Vorschriften waren danach finanzielle Gewinne die Hauptsache. Das klingt kalt, wurde manchmal aber mit Leben gefüllt. Denn die Arbeitsabläufe wurden einfacher, nachprüfbarer, die Gehälter nach Leistungen verteilt statt nach durchgesessenen Büromöbeln und erschlichenen persönlichen Beziehungen. Im Prinzip reicht der Neu-Aufbau, aber die gewohnten Gedanken waren alt, zäh und schlichen sich in vielen Firmen wieder ein. Zu viel Klebstoff macht unbeweglich, bis er entfernt wird. Genau das erlebt man aber in der aktuellen Spitzenpolitik, auf teuren Managerposten und bei der fortdauernden Armut in großen Staaten.

So einfach das klingt, so schwer ist es aber zu ändern, wegen der Widerstände. Mein ganzes Berufsleben litt daran, und man kann es überall, in allen anderen Bereichen, wiederfinden, wenn man sich die Fakten genauer anschaut. Trotzdem gibt es ganz andere Welten, die genau so real sind. Erfahrungen und Erkenntnisse, auf denen endlich Neues aufgebaut wird ohne zu viel Porzellan zu zerschlagen.

Zwar endet heute ein Kalendermonat, aber es kommen noch ganz andere. Wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Dazu reicht keine einzelne Idee, aber viele, gemeinsam. In der alten Märchensammlung von „1001 Nacht“ heißt es: „Die Wahrheit liegt nicht in einem einzigen Traum. Die Wahrheit liegt in vielen.“ Auch das stimmt.