Stille

4.6.2021. Auf die Preis-Frage von gestern hat noch Niemand geantwortet, also mache ich das selbst. Im ersten Artikel von heute gibt es einen Hinweis auf das alte englische Lied von „Greensleeves“. Ein Hörer hat darauf geantwortet: „Wow… It sounds so familiar… It’s like I remember something but I don’t know what… No other music gives me this feeling.“ Auf Deutsch heißt das: „Ach, es kommt mir so bekannt vor. als ob ich mich an etwas erinnere. Aber ich weiß nicht, warum… Keine andere Musik gibt mir dieses Gefühl.“ Danach wurde gestern allerdings gar nicht gefragt.

Nur zur Erinnerung: „„O still, lass mich der Stimme lauschen. Mir ist so, als hörte ich sie als Kind.“ –  Das klingt belanglos, aber mit ein paar Hinweisen bekommt es mehr Bedeutung. Hinter dem Rätsel versteckt sich eine der größten Geschichten der Welt.“

Das letzte Zitat stammt aus dem ersten Akt der „Walküre“ von Richard Wagner. Da begegnet sich in einer einsamen Holzhütte ein unbekanntes Paar. Sie sprechen miteinander und merken, dass sie im Haus seines Todfeinds Hunding sind. Die Frau, Sieglinde, sagt daraufhin den gerade zitierten Satz. Und sie hat Recht. Ihr Besucher, dessen Stimme sie schon als Kind gehört hat,  ist Siegmund, ihr eigener, lange vermisster Bruder. Nicht nur deshalb ist die gegenseitige Freude sehr groß. Sie fallen sich stürmisch  in die Arme. Der Vorhang fällt mit aufgeheizter  Musik. Dabei wird Siegfried gezeugt. Ihr Sohn ist später der größte Held der Welt, erschlägt einen hungrigen Drachen im Wald, verirrt sich aber dann in die dunkle Welt der gemeinen, bösartigen Menschen. Auf der Jagd wird er hinterrücks ermordet, weil er einen goldenen Zauber-Ring trägt, der die Weltherrschaft verspricht, aber auch verflucht ist. Das Ende vom Lied: Die ganze Welt geht unter.

Aus dieser Märchengeschichte hat Richard Wagner das bedeutendste Musikdrama aller Zeiten gemacht, das vier lange Abende dauert, circa  16 Stunden: „Der Nibelungenring“. Und die Geschichte  verwandelt ständig die Perspektive, die Wahrnehmung und Beurteilung der Welt, nach den Gesetzen des Universums. Da wird jedes Wort zu einem Schlüssel, vertieft durch eine überwältigende Musik. Gut aufgeführt wird das sehr selten, aber wenn es gelingt, wünscht man, dass es gleich wieder von vorn beginnt.

Die gedanklichen und musikalischen Kreuz- und Querverbindungen wirken wie ein Labyrinth, in dem man sich aber zurechtfinden kann und das immer wieder eine starke Wirkung hat, wenn die Mitwirkenden gut sind.

Im Lauf vieler Jahre lernt sich das auswendig, wie von selbst. Man braucht unterwegs keine Technik mehr dafür, und auch zu Hause hört man es nur noch selten. Die Alltagswelt geht weiter, aber es ist, als ob man ein zusätzliches Denken gefunden hat, genauso wie auch bei der Psychoanalyse und anderen Themen, mit denen sich nur eine Minderheit beschäftig. Zum Beispiel: Die juristischen Kenntnisse über Gesetze muss man nicht jahrelang studieren. Es reicht, wenn man in einer großen Firma die Arbeitsabläufe organisieren soll, auch, wenn man dabei Kosten sparen muss und möglichst hohe Gewinne erreichen soll. Auch andere Kenntnisse kann man sich selbst beibringen. Ein Hindernis sind dabei nur immer die hochbezahlten Schwätzer und ihre hinterlistigen Freunde. Ein Karneval ohne Ende, der aber nur ganz selten lustig ist.

Ganz ohne Worte und Gesang hat Leopold Stokowski ein paar große Orchesterstücke aus dem „Nibelungenring“ aufgezeichnet. Das ist ihm hervorragend gelungen:

https://www.youtube.com/watch?v=WnlfNhfVrgI

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