Tosca am Maschsee

20.1.2021. Mitten in Hannover ist der Maschsee, ein Freizeitgelände. Dort gab es Freilicht-Aufführungen, unter freiem Himmel. Eine Sehenswürdigkeit ist Puccinis „Tosca“, im Juli 2014. Vor der Bühne voll besetzte Stuhlreihen, dahinter ein großes Hotel. Am Seeufer drängen sich kostenlos anwesende Zuschauer. Die Solisten – Cavaradossi: José Cura. Tosca: Catherine Naglestad. Scarpia: Albert Dohmen. Alle bestens gelaunt. Der Klang ist durchsichtig, sauber gemischt. Kostüme und Dekorationen hat man sich gespart. Die Sänger tragen Freizeitkleidung. Zum Auftritt marschiert auch der Chor an den Stuhlreihen vorbei.

Bemerkenswert ist die Qualität. José Cura in Hochform. Er war damals 52 Jahre alt, mit weißgrauen Haaren und in der Breite etwas umfangreicher. Auch seine Partner sind gut bei Stimme. Textverständlich und angenehm. Sie deuten die Handlung lebhaft an, übertreiben aber nicht. Es ist wie eine Sommerparty, aber mit ernst zu nehmendem Programm. Die Aufzeichnung kann man auch wiederholen, in den nächsten Jahren, überall, nicht nur unter freiem Himmel. Wenn dafür eine gemäßigte Gebühr gezahlt wird, kann jeder Zuschauer selbst darüber entscheiden oder damit für die Künstler spenden, die zur Zeit überhaupt keine Einnahmen haben. Das meiste im Internet ist und bleibt kostenlos, aber besondere Leistungen kann man auch finanziell unterstützen, wenn das Geld seriös und öffentlich nachprüfbar, an die Richtigen verteilt wird.

Und nicht nur das. Ich habe hier schon viele musikalische Ereignisse ausführlich kommentiert. Wenn Andere zu ähnlichen Ergebnissen kommen, können sie dafür auch eine gemäßigte Gebühr zahlen. Bei den grundsätzlich möglichen, sehr hohen Zuschauerzahlen im Internet muss es dabei nicht zu Übertreibungen kommen, wenn Alles gut organisiert ist.

Es gibt sehr viele wertvolle Musik-Aufzeichnungen aus den letzten hundert Jahren. Natürlich muss man da nicht überall abkassieren. Aber in der gegenwärtigen Krise sind alle Veranstaltungen abgesagt. Da kann man Künstler trotzdem unterstützen, so wie gerade beschrieben. Und auch andere Möglichkeiten realisieren.

Am 12.10.20 habe ich dazu schon einige Vorschläge gemacht:

https://luft.mind-panorama.de/opernfeste-ohne-gaeste/

Sinngemäß schrieb Friedrich Nietzsche: Ich weiß nicht, wie ich meine Jugendzeit überstanden hätte, ohne Musik. Sigmund Freud hat sich niemals ausführlich zum Thema Musik geäußert. Er hatte keine Antenne dafür. Am Wert seiner Erkenntnisse ändert das gar nichts.

Musik ist eine ganz eigene Dimension. Man kann sie in Kaufhäusern dudeln lassen, damit die Umsätze steigen. So wie in Weihnachtsabteilungen, schon Ende Oktober, jedes Jahr. Aber sie ist auch Teil der ganz alten Magie, die man beim Anblick der Ur-Elemente spürt: Wasser. Feuer. Erde. Luft. Man kann auch ohne Musik leben, aber das ist dann eine Qualität weniger im Leben.

Es gibt schon lange, sehr viele Konzert-Aufzeichnungen. Gerade weil Jeder sie kostenlos anschauen kann, darf man die vielen Künstler nicht vergessen, die zur Zeit gar nicht auftreten können. Dafür kann man auch einen freiwilligen, überschaubaren Beitrag leisten.

Hier ist das Tosca-Ereignis in Hannover vollständig zu sehen (134 Minuten):

https://www.youtube.com/watch?v=XLfYpuzwyAw

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