Träume im Herbst

22.10.2022. Aktuell: Das Aufbrechen ungelöster  Probleme, alte Spannungen  unter Hochdruck, schon seit 1990, jetzt  in der Ukraine-Krise.  Die Metadaten,  unsichtbare Spuren beweisen das. Die Ursachen wurden vergessen und gingen unter,  die ersten Rufe nach Gemeinsamkeit auch, als hätten sie niemals existiert. Doch das Internet vergisst nichts, auch nicht das, was vorher war. Alte Bücher können digitalisiert werden, alte Bilder wirken wie neu. Unsere Nachbarin 1960, war Ballett-Tänzerin an der Hamburger Staatsoper. Die Erbtante lebte noch, die Kinder wuchsen auch dort auf. Der Ehemann war Dirigent, später blieb er in  Hamburg. Die Kinder zogen aus. Die Tänzerin blieb allein zurück.

Damals trug man noch weiße Nerzmäntel, zeigte sie aber in der Kleinstadt nicht.  Acht Kilometer entfernt war die nächste Großstadt in Holland, in den Cafés dort saß sie oft allein. Im Lebensmittel-Laden kaufte sie Schnaps, das durfte auch Niemand sehen. So wartete sie ab, vergessen.  In München gibt es ähmliche Schicksale. In einem Fall wurde die Tänzerin zur Sängerin, in einem Prozess sagte sie gegen ihren Manager aus. Danach bekam sie keine Verträge mehr. Darüber haben wir nie gesprochen, ihre Fernseh-Auftritte waren bekannt. Aber sie erzählte  gern von ihrer Kindheit, wie eine alte Freundin. Dann sprang sie aus einem Fenster. Vieles über sie stand in den Zeitungen, aber alles nicht. Und das bleibt auch so. Auf eine Autogrammkarte schrieb sie: „Wen ich liebe, lasse ich für sich gewähren.“ Das ist aus Wagners „Siegfried“. Wotan beendet dort den Satz: „… lasse ich für sich gewähren. Er stehe oder  falle, sein Herr ist er Herr. Ich brauche nur Helden.“ Das vollständige Zitat, kannte ich schon als Jugendlicher. Doch im veränderten  Zusammenhang bekam es einen anderen Sinn.

Ostern 2000 rief ich die Sängerin Martha Mödl an, sie stand offen im Telefonbuch. Nach ein paar Augenblicken wusste sie, dass sie mit einem alten Bewunderer sprach. Sie war 1951 Wieland Wagners erste „Kundry“, sagte aber bescheiden, „Heute gibt es viele Nachfolgerinnen, zum Beispiel Violeta Urmana.“  Ich beklagte mich über die Willkür von Regisseuren, da meinte sie, „Wieland Wagner hat damit angefangen.“ Aber sie kannte den Unterschied: Abstrakte Bilder mit starken Bild-Symbolen.

Zu Wieland Wagner gibt es hier über 100 Beiträge, in denen er erwähnt oder genauer erklärt wird :

https://luft.mind-panorama.de/?s=wieland+wagner+&x=7&y=12

Die Städte haben viele Ähnlichkeiten. Münster  von 1971 bis 1987 und München, danach.  Im Lauf der Jahre begreift man das  Alles viel schneller. Vergleiche helfen dabei.

Mathilde Wesendonck: „Sag, welch wunderbare Träume halten meinen Sinn umfangen, dass  sie nicht wie leere Schäume sind in ödes Nichts vergangen? Träume, die in jeder Stunde, Jedem Tage schöner blühen, Und mit ihrer Himmelskunde Selig durchs Gemüte ziehn! Träume, die wie hehre Strahlen In die Seele sich versenken, Dort ein ewig Bild zu malen: Allvergessen, Eingedenken! Träume, als  wenn Frühlingssonne Aus dem Schnee die Blüten küßt, Dass  zu nie geahnter Wonne sie der neue Tag begrüßt, Daß sie wachsen, daß sie blühen, Träumend spenden ihren Duft, Sanft an deiner Brust verglühen, Und dann sinken in die Gruft.“

Tiana Lemnitz singt die Wesendonck-Lieder:

https://www.youtube.com/watch?v=F4WuIiq8xlA

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