Trauerweiden im Frost

4.12..2020. Die Vorteile einer Großstadt sind zu finden in der Vielfalt, dem Angebot für jeden Geschmack. Nachteil ist das Überangebot, die zunehmende Auswahl an Überflüssigem, die abnehmende Übersicht. Wer damit nicht umgehen kann, wird unruhig und nervös. Auch weil die finanziellen Mittel dafür nicht vorhanden sind oder immer mehr schrumpfen. Also muss man darüber nachdenken und eine Lösung finden. Das ist zur Zeit sowieso unvermeidbar. Freitags war, so wie heute, früher meistens der Großkampftag für junge Leute. Nach der Arbeit, wenn man überhaupt eine hatte oder gar nicht danach suchte, ging es auf die Piste, also an die Rummelplätze, wo auch die besten Freunde sich langweilten.

Gemeinsam geht das noch besser, also zog man von Theke zu Theke. Die besten Drinks hatten den meisten Alkohol und kosteten auch am meisten. Aber man wollte ja nicht negativ auffallen, also hatte man auch noch modische, viel zu teure Klamotten an. Beliebte Arbeitsplätze gab es damals bei den Medien und in der Filmindustrie. In der Hoffnung auf eine Hauptrolle oder einen Stammplatz in Fernsehserien, auch Warteplätze. Das Angebot war zwar groß, aber die Konkurrenz war noch größer. Also wurden die Gehälter, die angebotenen Gagen immer niedriger. Und die beste Arbeit verteilten alte Hasen, die auch liebesbedürftig waren oder Angebote hatten, die man auf keinen Fall annehmen sollte. Das Ergebnis war Katzenjammer, bis vor einem halben Jahr. Auch heute sind wieder alle Lokale geschlossen und die gewohnte Abwechslung ist abgesagt. Der Frost draußen schafft Trauerweiden im Frust, in der Unzufriedenheit. Mancher sagt sehnsüchtig, „Was haben wir gelacht!“ Ja, kaputtgelacht. Andere ausgelacht. Aber jetzt hat es sich erst einmal ausgelacht. Sendepause. Was soll man nur anstellen? Gar nichts, bis der nächste Frühling kommt. Frühlingsanfang ist diesmal der 20.3.2021. Ausgerechnet ein Samstag, was soll man da unternehmen? Vielleicht etwas ganz Anderes, etwas Neues.

In jungen Jahren wird viel wertvolle Zeit vertrödelt, weil die Erfahrungen fehlen. Erst später, manchmal zu spät, macht jeder seine eigene Bilanz. Genau wie große Firmen Plus und Minus nebeneinander stellen, geht das auch mit den Faktoren Zufriedenheit, beruflicher Erfolg, Privatvermögen, Bekanntenkreis, wenn man sie mit Schulnoten von 1 bis 6, also Sehr Gut bis Ungenügend bewertet. Das kann man auch an Stichtagen der Vergangenheit machen, zum Beispiel runde Geburtstage oder ein unterschiedliches Jahresende, im Abstand von zehn Jahren. Die Veränderungen zeigen sofort, ob es abwärts oder aufwärts geht. Dann kann man die roten Minus-Zahlen verbessern oder träumt einfach weiter, passiv vor sich hin.

Im Sommer ist Hawaii immer eine Trauminsel, mit Palmen und Badestränden, dazu vielen sparsamen Touristen, auch aus Deutschland. Im Winter kann man davon träumen. Elvis Presley hat dort einmal ein Konzert gegeben: „Aloha from Hawaii“. Das wurde 1973 von Satelliten weltweit übertragen. Damals war er 38 Jahre alt. Er sang auf der Bühne Hits wie „My Way“, „Lonesome“, „Fever“. Braungebrannt. Sein einmaliges Abendkostüm war ein schneeweißer Anzug mit glitzernden bunten Glassteinen, um den Hals baumelte eine große, roten Blumenkette. Auf der Straße wäre er so bestimmt nicht herumgelaufen, aber hier war das sein auffälliger Arbeitsanzug. Er wollte, zu Recht angestaunt werden. Deshalb war er, wie immer der einzige Solist mit Hintergrund-Orchester, und er hatte gute Laune. Hier kann man das sehen (72 Minuten) :

https://www.youtube.com/watch?v=zLmsZC45-m8

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