Trauminseln im Februar

12.2.2021. Traumstädte waren früher ein beliebtes Wort in der Reisebranche. Aber schon seit 1980 gab es nicht mehr so viele, weil die Weltreisen immer billiger wurden, immer mehr Fotos und Filme entstanden, bis es eine Übersättigung gab. Hotels in fernen Ländern bekamen feste Wachzäune und Aufpasser, die Swimmingpools waren mittendrin, und das Meer war manchmal weit weg. „Inclusive“ bedeutete, dass man nicht mehr selbst einkaufen musste, sondern Alles zum Greifen nah war, von morgens bis abends. Auch das Publikum des Massentourismus, das gern laut war und dabei viel trank. Die Urlaubsfotos sahen immer mehr gleich aus, weil die Hotelbauten auch immer ähnlicher wurden. Für die Einen ein Riesengeschäft, für die Einheimischen nicht, und die Gäste bekamen das, was sie verdienten. Heute gibt es das auf der ganzen Welt, mit Badestrand und Sehenswürdigkeiten. Reisen werden online gebucht, die Firmen sparen dabei Personal ein.

Aber es gab immer persönliche Traumstädte. Nicht der Geburtsort, weil man den schon zu lange kannte. Aber die Phantasie hat keine Grenzen. Kinderbücher werden zu nächtlichen Träumen, und daraus entstehen Sehnsuchtsorte. Auch keine Garantie, wenn am Ziel bereits fremde Besuchermasen die gleiche Idee hatten. Bekannt dafür ist die spanische Insel Mallorca. Alle Läden am Strand in deutscher Sprache, aber wenn man in den Osten fährt, kommt man zunächst durch sehr alte Landschaften und traumverlorene Dörfer. Auch im Norden von Barcelona gibt es Fischerdörfer mit einsamen Stränden, wo die Einwohner sich gern mit Besuchern unterhalten.

Das geht natürlich auch im Februar, aber dann ist es auch dort kälter. Im Februar 1970 war ich im nördlichen Unterfranken, zur Ausbildung in einer Militärkaserne bei Würzburg. Dazu gehörte auch ein vierzig Kilometer langer Nachtmarsch, mit vollem Gepäck, durch knöchelhohen Schnee. Bayern hat besonders viele historische Gebäude und Schlösser, dafür war aber die Freizeit da. Und an einem Freitag ging es mit dem Zug in das mittelalterliche Bamberg, dessen historische Altstadt wie ein altes Märchen aussah. Die Übernachtung war in Bayreuth, zum ersten Mal. Das war damals, seit drei Jahren schon ein fester Begriff, weil dort, äußerlich ganz unscheinbar, auch die Hauptstadt der Musik war. Also eine innere Kategorie, die eine ganze Welt enthält. Äußerlich war es eine kleine Stadt, die im Lauf der folgenden Jahrzehnte immer überschaubarer wurde, nicht nur geographisch, sondern auch in ihrem Innenleben, das sich so abspielte wie auf der ganzen Welt, aber die gleichen Abläufe im Miniaturformat wiederholte. So kann man gute Vergleiche ziehen, die später eine immer stärkere Ausdruckskraft bekamen, wenn auch die Menschen sich genauso benehmen. Die Ursachen und Methoden sind gleich, aber die vielen Masken haben Unterschiede.

Das war zum ersten Mal heute, genau vor 51 Jahren, hatte aber einen besonderen Beigeschmack. Es war auch der Tag vor Richard Wagners Tod am 13.2.1883 in Venedig. Und auch vor zehn Jahren, war es das gleiche Datum, hatte aber keinen Überraschungswert mehr. Heute ist das Alles Vergangenheit und auch kein Wunschziel mehr. Für die meisten Plätze auf der ganzen Welt hat Niemand mehr viel Zeit, vor Allem nicht im Winter. Wenn es dafür keinen wichtigen Grund gibt. Erinnerungen müssen das gar nicht künstlich verklären. Sie sind im Gedächtnis gespeichert, mit ihren ganzen Querverbindungen. Das ist ein Schatz, für den sich Betrüger nicht interessieren. Der Bayreuther Dichter Jean Paul sagte: „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem uns Niemand vertreiben kann.“ Das ist übertrieben, aber er war Romantiker und hatte seine eigenen Lebensträume, in seinen originellen, skurrilen, gedankenreichen Büchern.

Vergleiche sind ein Universalschlüssel. Sie schließen Lücken, verstärken Auffälligkeiten und Fehler. Aber sie wirken auch auf das Unterbewusstsein, die Schaltzentrale der menschlichen Handlungen, Pläne und Misserfolge. Sie bringen Störungen aber auch deren Verarbeitung und Auflösung. Juristen wissen nicht viel davon, deshalb gibt es auch zu viele Fehlurteile.

Musik ist ein Spiegel der Seele und rührt direkt an das Unterbewusstein. Bei Richard Wagner habe ich mit siebzehn Jahren gelernt, wie man Symbole, Sprachbilder deutet und warum er Emotionen anrührt. Und noch viel mehr. Auf dem Weg dorthin sind nicht Viele unterwegs. Aber einige sind bekannt. Die Verehrung des Pharaos Echnaton, der nur fünfzehn Jahre lang, von 1351 bis 1336 v. Chr. regierte und allein die Sonne als Gott anerkannte, die mächtigste Energiequelle auf dem Planeten Erde. In Ägypten gab es die früheste Hochkultur der Menschheit. Seitdem sind über dreitausend Jahre vergangen. Aber viele Andere haben so gedacht und waren hier oft ein Thema.

Große Orchesterstücke von Richard Wagner hört man hier, unter der Leitung von Leopold Stokowski (46 Minuten) :

https://www.youtube.com/watch?v=WnlfNhfVrgI

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