Vergessene Randgebiete, verlorene Paradiese

9.10.2020. Wenn Regionen nicht mehr beachtet und vernachlässigt werden, kann das an der geographischen Lage liegen. Oder am schlechten Ruf der Bewohner, ihrer Unfreundlichkeit, an der Armut, der damit eng verknüpften, hohen Kriminalitätsrate, an architektonischen Hässlichkeiten, die langweilen oder abschrecken.

In Deutschland waren das seit 1949 die armen Zonenrandgebiete an der östlichen DDR, die zwar staatliche Zuschüsse bekamen, aber damit keine Spitzenleistungen schafften. In Nordbayern, „Bayerisch Sibirien“, kam noch das raue Klima dazu. Dann die überwiegende, arbeitsintensive Landwirtschaft, mit begrenzten Gewinnen. Der Mangel an gut verdienender und zahlender Großindustrie. Zu wenige attraktive Arbeitsplätze, für zu viele Menschen. Das erzeugt Unzufriedenheit. Streit. Neidhammeleien und schlaue Tricksereien.

Nach außen hier wirken die Städte friedlich. Aber im Inneren zeigen leerstehende Lokale, kaputte Schuldächer, verwahrloste Gemeinschaftseinrichtungen und vertuschte Betrügereien, ihre Wirkungen. Gemeinnützige Stiftungen können pauschal 30 Prozent ihrer eingesammelten Spenden abziehen, nur für die Verwaltung der eingenommenen Gelder. Dann braucht man nicht nachrechnen. Freikarten werden zu Unrecht verschenkt, müssen aber verbucht werden, sind also neutral nachprüfbar. Energiesparmöglichkeiten werden nicht beachtet. Flurlichter brennen den ganzen Tag, auch wenn Niemand da ist. Auch die Kronleuchter in einigen Theatern. Aber verwaltet wird Alles, von einem aufgeblasenen Wasserkopf, der keine aktuelle Technik kennt, Zeit und Geld verschwendet.

Meine Heimat lag auch in einem überschaubaren Randgebiet, abgelegen, an der ländlichen holländischen Grenze, mit viel Textilindustrie, die Anfang der Achtziger Jahre bundesweit zusammenbrach, weil die Konkurrenz aus dem fernen Osten immer niedrigere Preise anbot. Schon 1970 wurden außerdem Gerüchte verbreitet, dass einige bauliche Notwendigkeiten im Ort nicht erledigt waren. Dann beschloss die Stadt eine Total-Sanierung der Hauptstraße, mit dem Abriss aller alten Gebäuden. Wir verloren zunächst unser zweites Haus, das ungeliebte Verwandte jahrzehntelang für sich selbst bewirtschafteten, ohne dafür Miete zu zahlen. Doch es gab jetzt guten Ersatz, eine frühere, bereits stillgelegte und ausgeräumte, örtliche Bankfiliale.

Dort wurde aufwändig, im leeren Erdgeschoss, eine gemütliche Gaststäte ganz neu eingerichtet. Darüber eine Wirtswohnung in gleicher Größe. Und zwei kleinere Mietwohnungen, mitten im belebten Geschäftszentrum mit vielen kleinen Läden.

Dafür waren einige Kredite notwendig, die sofort mit den Miet-Einnahmen verrechnet wurden. Einer bleibt unvergesslich. Ein Lieferantenkredit, zwar mit gemäßigten Rückzahlungszinsen. Dazu gehörte aber auch eine knebelnde Exklusiv-Verpflichtung, nur die Waren dieser Firma zu beziehen. Das Alles stand im schriftlich vorgedruckten, schwer lesbaren Kleingedruckten und war deshalb sogar unwirksam, weil es keine frei, einzeln ausgehandelte Individualvereinbarung war. Das wussten wir aber nicht. Ich war noch ein ahnungsloser Jugendlicher, die anderen Schuldner hatten keine juristischen Kenntnisse, nur die reiche Firma mit dem vermeintlich günstigen Kredit selbst.

Das war ihr gewinnsteigerndes, allgemeines Erfolgsrezept in der ganzen, nicht stark besiedelten Region. Der überall herumreisende Hausvertreter des Kreditgebers sammelte bei seinen Besuchen gern unbekannte Informationen und streute drohende Bemerkungen ein, wie „Unser Chef ist befreundet mit dem Präsidenten der regionalen Handelskammer.“ Damit wurde jeder Rechtsstreit zum unkalkulierbaren und viel zu teuren Risiko. Sie hatten ihren Informationsvorsprung einfach ausgenutzt.

Nach dem späteren Verkauf habe ich kein Wort mehr mit dieser Firma gesprochen. Käufer war mittlerweile ein langjähriger, vertrauenswürdiger Versicherungs-Mitarbeiter, bei dem wir alle Gebäudeversicherungen zuverlässig abgeschlossen hatten. Damit hatte die listige Firma das Spiel am Ende doch verloren. Aber es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, über derartige Methoden.

Später war München ein ganz neuer Lebensmittelpunkt. Aber die mittelalterliche Tabula Smaragdina (Tafel aus Smaragd), notierte schon vor tausend Jahren: „Das Kleine ist wie das Große.“ Solche schrägen Sachen laufen und funktionieren überall, bis man die eigenen Wissenslücken schließt.

Und daran hakt es in sehr vielen Bereichen. Diese Webseite enthält deshalb, dazu viele Artikel, offen für Jeden. Man findet sie unter diesem Text.

Im Übrigen noch einmal der deutliche Hinweis, dass ich grundsätzlich keine alten Sachen hier künstlich aufwärme, nur aus überflüssiger Wichtigtuerei. Alle tatsächlichen Orte und Namen aus früheren Streitereien sind verschlüsselt und haben nur den offensichtlichen Sinn, allgemeine Regeln und drohende Wissenslücken anschaulicher und leichter verständlich zu machen. Das kann für Alle sehr wertvoll sein, um voraussehbare Schäden und ihre Ursachen im Voraus, rechtzeitig zu erkennen und die dummen Folgen zu vermeiden.

In Zukunft kann es nur besser werden. Wenn der Wille dazu vorhanden ist.

Dazu passt Händels trumphierende Feuerwerksmusik

https://www.youtube.com/watch?v=bWp-3DDoEf0

.