Verschlossene Geheimtüren

20.11.2020. Die kameralistische Buchführung der Stadt-„Kämmerer“, der staatlichen und privaten Finanzverwalter, notiert alle Zahlen doppelt, als Einnahmen und als Ausgaben. Das klingt umständlich, ist aber notwendig. So wird verhindert, dass einzelne Finanzposten übersehen werden oder spurlos verschwinden. In jeder Bilanz kann man deshalb erkennen, ob sauber gewirtschaftet wurde. Das nächste sind die Begründungen. Sie müssen akzeptabel sein, sonst steckt Verschwendung dahinter. Betrügerei. Veruntreuung fremder Gelder. Straftaten. Verbotene Finanzbewegungen. Die können verschleiert werden, aber das Geldwäschegesetz verlangt eine genaue Auskunft darüber, wo das Geld herkommt und wer es kassieren soll. Alle Finanzströme werden elektronisch dokumentiert, auch nach Löschversuchen.

Die Computer schlagen bei Auffälligkeiten vollautomatisch Alarm, und dann wird die Steuerfahndung aktiv. Eine mir persönlich bekannte Millionärsfamilie am Starnberger See hat deshalb ihre teure Traumvilla verloren, weil nach dem Auszug der Kinder dort angeblich ein privater Mieter wohnte. So konnten die Besitzer alle Hausreparaturen direkt von der Steuer abziehen. Doch als die Steuerfahndung nachfragte, wusste der angebliche Mieter nicht einmal, wie die Räume aussahen. Danach war das Haus weg und noch viel mehr Geld, weil es jahrelang vorher geheim blieb. Mein berufliches Nachbargebäude war die Zentrale der Münchner Finanzämter. Nette, höfliche Leute, aber ihre Kollegen rechneten genau nach. Diese Nachbarn haben auch einmal meine Verwaltung der firmeneigenen Großimmobilien geprüft, aber natürlich nichts finden können, weil Betrügereien verbotene Spezialformen der Dummheit sind.

Die „kameralistische Buchführung“ wurde durch den österreichischen Hofrat Johann Mathias Puechberg erstmals 1762 schriftlich dargelegt. Wikipedia: „Nach mehreren Finanzskandalen und aufgedeckten Missständen in den österreichischen Bundesländern wurde ab dem Jahr 2012 öffentlich kritisiert, dass es keine doppelte Buchführung gibt.“ Erst ab 2012 ! Zitat: „So ist die Bewertung staatlichen Vermögens schwierig, da es für viele öffentliche Güter, wie etwa Straßen, Schienenwege, Nationalparks, in der Regel keinen Markt und somit auch keinen Marktpreis gibt.“ So kann man Geld verplempern und in privaten Taschen verschwinden lassen.

Vor Allem in Staaten mit schlechter Wirtschaftslage, wo es der Bevölkerung schlecht geht. In einer kleinen Hausverwaltung habe ich selbst erlebt, dass am Jahresende noch Geld übrig war. Wurde es nicht ausgegeben, dann fiel die nächste zentrale Jahreszuweisung der genehmigten Ausgaben und Projekte auch geringer aus. Also wurde, schnell, noch im Dezember, ein großer Drahtzaun für das Firmengrundstück bestellt. Der war zwar sinnvoll, aber nicht unbedingt notwendig. Wikipedia: „Eingesparte Mittel verfallen am Ende des Haushaltsjahres. Um diesen Effekt zu vermeiden, vermehren sich vor dem Jahresende die überflüssigen Ausgaben, die allein einem Ziel dienen, die verfügbaren Mittel vollständig auszuschöpfen (so genanntes Dezemberfieber“ bzw. Budgetverschwendung, auch Nikolausdecke genannt.“ Wenn Kultureinrichtungen oder Stiftungen, die aus gut gemeinten Spenden und Subventionen finanziert werden, eigene Freikarten verschenken, ist das wie ein Griff in die Ladenkasse. In Supermärkten folgt auf eine solche Selbstbedienung der Mitarbeiter die fristlose Kündigung und eine Strafanzeige wegen Veruntreuung.

Die Buchführung der Verkaufskassen wird elektronisch genau dokumentiert und verrät auch sonstige Auffälligkeiten, die in Großfirmen von externen Spezialisten nachträglich auch dann erkannt werden, wenn sie vertuscht wurden. Wer auffällig wird, bekommt eine zusätzliche Kontrolle seiner sonstigen Aktivitäten, auch als Mitwisser.

Das weiß nicht Jeder, aber es ist für ihn ein hohes persönliches Risiko. Mit dem verschwundene Geld verschwindet auch das Vertrauen, noch genauer und voraussehbar, wenn man sich vorher gekannt hat.

Fälschungen, schadenstiftende Lügen, Raub und Betrügereien sind eigentlich für die Schlagzeilen der Tagespresse nichts Besonderes, aber sie haben Folgen. Haft-und Geldstrafen. Negative Vermerke im polizeilichen Führungszeugnis. Hohe Entschädigungsforderungen. Beschädigung des Ansehens, privat und beruflich.

Für Staaten ist das eine Bankrotterklärung der Regierung. Trotzdem werden sie nicht abgewählt, weil sie gehorsame Untertanen haben. Aber beteiligt sind manchmal auch Behörden und andere staatliche Organisationen.

Ferdinand Raimund hat dazu ein wunderbares Lied geschrieben:

„Da streiten sich die Leute herum, oft um den Wert des Glücks. Der Eine heißt den Anderen dumm. Am Ende weiß keiner nix. Da ist der allerärmste Mann dem Andern viel zu reich: Das Schicksal setzt den Hobel an und hobelt Alles gleich.“

1952 sang das Marlene Dietrich:

https://www.youtube.com/watch?v=hxN-YqguUR8

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