Volle Fahrt voraus

26.3.2021. In Ostafrika wurden die Spuren der ersten Menschen entdeckt. Ägypten, die erste Hochkultur, beschränkte sich noch auf das eigene Land. Wenn der Nil im Frühjahr über die Ufer trat, war der Schlamm dazu geeignet, Nahrungspflanzen anzubauen und zu ernten. Im Norden lag das Mittelmeer, aber die ersten großen Schiffe bauten Nachbarn: Die Griechen und Römer. Aus Athen wurde eine Kriegsflotte geschickt, die zehn Jahre lang die Stadt Troja belagerte. Der Sieg gelang nicht durch Gewalt, sondern weil Odysseus eine Abreise vortäuschte und als Geschenk ein großes Holzpferd zurückließ. Die Belagerten zogen es jubelnd in ihre Stadt. Nachts öffnete es sich. Soldaten strömten heraus, und Trojas Niederlage war damit schnell erledigt. Aus Athen verlagerte sich später das Machtzentrum nach Rom. In ganz Europa tauchten Soldaten auf, besetzten und plünderten gewaltsam die Nachbarstaaten. Der zeitliche Höhepunkt war der Tod von Christus, der ein ganz neues Denken verbreitete. Er wurde wegen Gotteslästerung denunziert und starb. Auch seine Anhänger wurden zunächst von den Römern gewaltsam bekämpft, aber die neue Religion wurde immer mächtiger. Vor fünfhundert Jahren beherrschte sie auch die gesamte politische Welt, von Rom aus. Doch die Päpste waren übermütig geworden. Jeder, der ihre Glaubensmeinung kritisierte oder ablehnte, wurde verhaftet und landete sehr oft auf dem Scheiterhaufen.

Damit endete das Mittelalter. Die Renaissancezeit begann. Spanien und England schickten Kriegsschiffe über das Meer, um neue Kontinente zu entdecken, fremde Länder zu besetzen und auszurauben. In Florenz schrieb Niccolo Macchiavelli (1469 – 1527) ein Buch mit dem Titel „Il Principe“ (Der Fürst). Der kluge Philosoph arbeitete für die steinreiche Händler- und Fürstenfamilie Medici und notierte, „Der Zweck heiligt die Mittel“. Das heißt: „Der Herrscher darf Alles, was er will.“ In London wütete gleichzeitig die Inquisition mit Todesurteilen gegen Glaubenskritiker. Einer konnte im letzten Augenblick fliehen: Christopher Marlowe.

Am 23.11.20 habe ich zu seinem Gedenken eine eigene Webseite gestartet: „Zeichen und Bilder“:

https://www.mind-panorama.de/

Marlowe versteckte sich, unerkannt in Norditalien und schrieb dort unter dem Namen „William Shakespeare“ Theaterdramen mit überragender Sprachkraft und Gedankentiefe, die er nach London schickte, wo ein gleichnamiger Theaterdirektor sie aufführte und weltberühmt machte.

Sein Fall ist auch ein Beispiel dafür, dass brutale Gewalt und große staatliche Macht vergänglich sind. Sie können vom Geist besiegt werden, auch wenn Verbrecher das lange verachten, ernstzunehmende Kritiker gewaltsam verfolgen und ihre Gedanken vernichten wollen.

Zur Zeit herrscht Ruhe auf diesem Gebiet, genauso wie bei allen anderen Themen auch. Doch Schwarz und Weiß scharren schon ungeduldig in ihren Startlöchern. Wer wird gewinnen? Die Mehrheit. Wenn sie sie eine neue Gedankenwelt übernimmt. Einstein (1879 – 1955) sagte, „Wir stehen auf den Schultern von Riesen, die vor uns waren.“ Immerhin hat er die Relativitätsformel entdeckt. In der Physik. Aber das war für ihn nur ein Zeichen der Kosmologie. Ein unbekanntes Gesetz des Universums. Er wollte noch mehr davon finden, doch das gelang nicht mehr. Seine Berechnungen brachten aber die Entdeckung der Elektronik und der ersten Computer, hundert Jahre später, aber nicht zu spät.

Charles Baudelaire (1821 – 1867) schrieb Bücher, die von der Justiz in Paris beschlagnahmt wurden. In seinem Gedichtband „Die Blumen des Bösen“ verherrlichte er das verbotene Rauschgift. Aber er wusste noch viel mehr. Hier ist der Text seines Gedichts „Der Albatros“:

„Oft fangen die Matrosen, um sich zu vergnügen,
den mächtigen Meeresvogel ein, den Albatros.
Den Schiffen, die den bitteren Abgrund überfliegen,
folgt er mit Gleichmut auf ihrer Fahrt.

Kaum aber ist er hingezwungen, auf die Planken,
läßt dieser Himmelskönig, in seiner Scham,
die großen weißen Flügel kläglich an den Flanken
wie Ruder hängen, ungeschickt und lahm.

Wie ungeschickt schleppt er sich hin, mit diessen steifen Flügeln!
Er, sonst so schön, wie ist er häslich in der Schmach!
Den Schnabel neckt ihm einer, mit der Tabakpfeife,
Ein anderer, hinkend, äfft den Flug des Krüppels nach!

Der Dichter ist wie dieser Wolken-Fürst.
Im Sturm hat er ein Himmels-Dach, verlacht des Jägers Strick.
Verbannt zur Erde aber und verhöhnt vom Volke,
behindern riesenhafte Flügel seinen Gang.“

Claude Debussys (1862 – 1918) bekannteste Komposition ist „La Mar“ (Das Meer). Hier gibt es keine Melodie, sondern nur flimmernde Klänge, die sich vermischen und auftürmen. Es ist aber keine Imitation der Natur, sondern ein Bild, das beim Zuhörer entsteht, so wie es bei ihm ankommt: Gedankenspiele. Träumereien. Klänge, die kurz auftauchen und wieder verwehen:

.https://www.youtube.com/watch?v=FOCucJw7iT8

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