Oktober vor 34 Jahren

1.10.2921. Der Oktober hatte vor 34 Jahren das gleiche Wetter wie jetzt. Herbstlaub im strahlenden Licht. Aber alles Andere war neu. München war vorher nur von Urlaubsreisen bekannt. Im Oktober 1987 zeigte es sich von allen Seiten, ungewohnt. Die guten Eindrücke waren am stärksten. Wenn man sie zum ersten Mal gründlicher anschaute. Das waren  Touristenziele wie der Marienplatz und die Münchner Freiheit, aber auch viele unbekannte Türen, die weit aufsprangen. Die unruhigen Menschenmassen dahinter waren gewöhnungsbedürftig, aber sie zeigten bald ihre Eigenarten, ihre Qualität oder die schlimmsten Fratzen. Dieses große Bild hing nicht einfach an der Wand, sondern lebte in Farben und Bewegungen, die sich äußerlich ständig veränderten, aber deren Innenleben einen überschaubaren Rahmen bekam.. Im Herbst 1987 tauchten zu viele neue Bekannte auf, die aber  schnell wieder verschwanden oder glücklicherweise nur ein paar Monate in Sichtweite blieben. Die meisten konnten dabei  selbst die Signale erkennen, über die Erich Kästner sagte: Am schlimmsten ist die „Einsamkeit zu Zweit“. Zu diesem Stichwort gibt es hier bereits über 30 Artikel:

https://luft.mind-panorama.de/?s=einsamkeit+zu+zweit&x=11&y=11

Wenn man loslassen will, sollte das schnell geschehen. Sonst gibt es Krieg und Unruhe. Viele hören dabei gern zu, wenn der abenteuerlichste Quatsch erzählt wird. Aber die Langeweile vergrößert sich, wenn man nur noch heiße Luft erlebt statt sich mit wichtigeren Themen zu beschäftigen. Davon gibt es derart viele, dass jede Zeitverschwendung auch Geld in Luft auflöst, dazu andere Wege versperrt oder zuschüttet.

Münster, von 1971 bis Herbst 1987, hatte viele Schattenseiten, aber die Bilanz, die Endabrechnung, war wertvoll, steigerte die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis. Auch das ist eine wirksame Formel, eine Universalregel, die in allen Bereichen funktioniert, bei der Tiefseeforschung und beim Fernblick an die Grenzen des Universums, die Niemand kennt. Aber schon der Weg ist das Ziel. Wer keine Geduld hat, kommt auch nirgendwo richtig an. Shakespeare .hat die ganze Welt mit seiner Gedankenkraft eingefangen, aber am Ende schrieb er, „Ich war zu ungeduldig“.

Petro Basconi hat ihn bis zum Schluss betreut. Nur von ihm wissen wir, dass der aus London geflohene Weltgeist 1627 in Padua bei Venedig starb, mit 73 Jahren, nachdem er am 30.5.1593, wegen einer nur vorgetäuschten Messerstecherei, spurlos aus London verschwand, weil ein Kirchenprozess wegen Ketzerei kurz bevorstand, mit einem damals sicheren Todesurteil. 34 Lebensjahre vergingen danach, aber sie hinterließen der Welt eindringliche Gedanken und eine Bildersprache, die sich wie selbstverständlich bei den Zeichen der Symbolik bediente, die ohne eine Übersetzung gar nicht verständlich sind. Erinnerungen oder der Vergangenheit hinterher zu trauern, kann auch Zeitverschwendung sein, aber die frei erfundenen Handlungen des Londoner Dramatikers haben eine universale, zeitlose Kraft, die nur dann deutlich erkennbar wird, wenn man sich genauer damit beschäftigt.

Über Münster gibt es das Sprichwort, „Entweder läuten dort die Kirchenglocken oder es regnet.“ Die vielen Kirchen sind gute Wegweiser für fremde Besucher und strenge Zeichen der früheren Kirchenherrschaft. Aber die langweiligsten Regentage waren spannend, wenn man etwas zum Nachdenken hatte oder solche Menschen traf, die ein starkes Innenleben hatten. Das sind unsichtbare Ströme aus Energie und Erfahrungen, die auch später keine Belastung werden. Im Gegenteil. Ohne ein derartiges Fundament kann man leben, wo man will. Die Probleme reisen mit. Wie man sie auflöst, findet man hier, in allen Kapiteln und Themenbereichen. Ob das auch gelingt, kann Niemand erzwingen. Aber allein das selbst ausgesuchte Ziel lohnt sich und jeder einzelne Schritt auf dem Weg dorthin auch, wenn die Richtung stimmt.

.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.