Washington

21.11.2020. Die Entfernung zwischen dem schlaflosen, „never sleeping“ New York und Washington beträgt nur 328 Kilometer, aber Washington hat eine stärkere Wirkung. Dort liegt das Kapitolsgebäude, das amerikanische Parlament. Drinnen sind der Senat und das Repräsentantenhaus. Der Senat erinnert an den, damals die Welt regierenden regierenden römischen Senat vor zweitausend Jahren. Jeder der 50 Bundesstaaten ist im Kapitol durch zwei Senatoren vertreten. Das Repräsentantenhaus der gewählten Volksvertreter ist für die Gesetzgebung und die Kontrolle der Machtausübung des Präsidenten zuständig. Der Kongress der Vereinigten Staaten hielt in Washington am 17. November 1800 seine erste parlamentarische Sitzung ab.

Der erste Präsident George Washington gab der Hauptstadt seinen Namen. Gedankliches Zentrum war die Unabhängigkeitserklärung, der starke Kontrast zu den selbstherrlichen Monarchien in Europa, außerdem die Freiheitsrechte, die sich gegen absolute Monarchen, gegen gewalttätige Alleinherrscher wendeten und freie Wahlen vorschrieben. Sie garantierten jedem Staatsbürger eine freie Meinung, die Pressefreiheit, die Unverletzlichkeit der Privatsphäre, den Schutz vor staatlicher Willkür, die freie Wahl des Arbeitsplatze und des Wohnsitzes. Und das Recht, auf seinem eigenen Weg glücklich zu werden.

Im Zweiten Weltkrieg halfen die Amerikaner, Hitlers Drittes Reich zu zerstören. Zwanzig Jahre später verloren sie den jahrelangen Vietnamkrieg, der die kommunistische Herrschaft im Norden des Landes beenden sollte. Dafür entwickelten die Vietkong eine ganz neue Taktik, den Guerillakampf im unübersichtlichen asiatischen Dschungel. Kleine Gruppen von armen Reisbauern, nicht als uniformierte Soldaten erkennbar. sorgten für ständige Überraschungsangriffe und verschwanden sofort danach wieder, „wie die Fische im Ozean“. Die klassische, materiell hoch überlegene Militärstrategie mit teuren Waffen, mit starren Befehls-Hierarchien und festen Marschordnungen war am Ende machtlos, gegen ein völlig unterschiedliches Denken. Das hätte man jederzeit erlernen können. Denn zweitausend Jahre vorher schrieb der chinesische General Sun Tsu sein schmales, leicht verständliches Buch über „die Kunst des Krieges“. Er empfahl das Kennenlernen einer feindliche Strategie, ihre Störung und nur als letztes Mittel die Gewalt. Das geschah in Vietnam erst nach vielen Jahren. Der Gewinner, Nordvietnam, übernahm nach den Verhandlungen die Herrschaft über das ganze Land. Vorher gab es weltweite Straßendemonstrationen.

Der englische Sänger John Lennon sang in New York Friedenslieder. „Give peace a chance.“ Das war damals unerwünscht, und er erzählte er Morgens warteten, draußen vor seinem Hotelzimmer, fremde Überwacher und begleiteten ihn. „Sie wollten, dass man mich für krank hielt und an Verfolgungswahn leide.“ Mit einem Rechtsanwalt erstritt er gerichtlich eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung und beklagte sich nicht mehr. Aber am 8.12.1980 wurde er direkt vor seinem Hotel erschossen, von einem Einzeltäter. Der kannte offensichtlich Lennons Alltagsgewohnheiten. Allein war er dazu vermutlich nicht in der Lage. Aber er wurde verurteilt. Weitergehende Fragen wurden nicht gestellt.

Das ist jetzt vierzig Jahre her. Heute führt Amerika keinen Krieg gegen fremde Staaten. Spannungen kommen aus ganz anderen Richtungen. Sie betreffen alle Staaten, aber die Ursachen bleiben oft unklar. Verschwörungstheorien haben ein wackeliges Fundament. Wenn es außer Verdächtigungen keine konkreten Beweise gibt, bewirken sie nichts. Aber sämtliche Spuren werden immer deutlicher, mit bisher nicht eingesetzten Computerprogrammen. Wenn sie nur viele Daten sammeln, bewirken sie gar nichts. Aber verknüpfte Fakten können ganz neue Erkenntnisse bringen, wenn sie nicht ein Durcheinander erzeugen und richtig miteinander arbeiten: Datum. Uhrzeit. Geographische Lage. Ähnliche Auffälligkeiten und deren Beteiligte. Verschwiegene Netzwerke, auch in beruflichen und politischen, wirtschaftlichen Organisationen. Methoden. Dokumente. und noch mehr.

Das Alles kann nicht separat ausgewertet werden, sondern nur im Zusammenhang. Außerdem durch Erkenntnisse aus ganz anderen Forschungsbereichen. Früher, in meiner beruflichen Zeit, habe ich viele Gespräche geführt, wo einzelne Stichworte plötzlich heftige Reaktionen auslösten, die gar nicht geplant und beabsichtigt waren. Selbst wenn man auf solche Empfindlichkeiten Rücksicht nimmt, kann das Verhalten anderer Leute sich auffällig ändern. Oder sie tarnen es, manchmal nicht sehr geschickt. Dann entstehen Pläne, die aber viele Mitwisser haben, also immer sehr riskant sind.

Die einfachste Idee ist es, dass nicht alle Menschen dicke Freunde sein können, nicht zusammenpassen und sich dann aus dem Weg gehen sollten. Damit jeder auf seine eigene Art glücklich werden kann. Denn so steht es auch in unserem Grundgesetz: Es garantiert jedem Staatsbürger eine freie Meinung, die Pressefreiheit, die Unverletzlichkeit der Privatsphäre, den Schutz vor staatlicher Willkür, die freie Wahl des Arbeitsplatze und des Wohnsitzes. Und das Recht, auf seinem eigenen Weg glücklich zu werden. Bis 1990 war das in der abgeriegelten DDR überhaupt nicht möglich. Deshalb habe ich mich über die Wiedervereinigung gefreut, kenne auch nette Ossis. Aber die Anderen sind auch da, anscheinend unbelehrbar. Aber sie fallen auf. In Zukunft noch mehr, wenn die elektronischen Analysen noch besser werden. Der Totensonntag morgen ist eine gute Gelegenheit, auch davon Abschied zu nehmen, von einer zu Recht untergegangenen Welt.

Vor dem Brandenburger Tor in Berlin sangen berühmte Solisten, zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland, den Schluss der Neunten Sinfonie von Beethoven: „Freunde, über dem Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen. Alle Menschen werden Brüder.“ :

https://www.youtube.com/watch?v=jPNeJeZ3ODc

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