Weimarer Chaos

7.8.2021. Wenn man Lücken entdeckt, ist das eigentlich nichts Besonderes. Aber hier wurde bisher fast gar nicht die Weimarer Republik erwähnt. Sie existierte zwischen 1918 und 1933, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, der ganz Europa mit sich riss. In Russland endete die dortige Monarchie. Der Zar wurde verhaftet. In Österreich verschwand das Kaiserreich. Franz Joseph I., wegen seiner Ehe mit Märchenkaiserin Sissi später in Kinofilmen gefeiert, hatte den Ersten Weltkrieg angefangen, nachdem sein bereits festgelegter Thronfolger, Franz Ferdinand in Sarajevo erschossen wurde. Danach brach auch in den Nachbarstaaten das Chaos aus. In Deutschland entstand die erste Demokratie. Aber friedlich war das nicht. In  der Hauptstadt Berlin tobten Straßenschlachten, vor Allem zwischen Kommunisten und den Anhängern von Adolf Hitler (1889 – 1945). Die Gewalt fand kein Ende, bis freie Wahlen stattfanden. Hitler wurde am 30.1.1933 zum neuen Reichskanzler ernannt und regierte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Er hatte das Parlament im Reichstag als wirkungslose „Schwatzbude“ bezeichnet.

Vorher gab es die fünfzehn Jahre der Weimarer Republik. Sie stürzte von einer Krise in die andere. Zu viele Parteien stritten miteinander. Die Wirtschaft erholte sich nicht von den Kriegsfolgen. Das Geld wurde immer wertloser, und die Spannungen steigerten sich. Außerdem sollten Millionen an die Nachbarstaaten gezahlt werden, Reparationen, Schadensersatz für die Zerstörungen des Ersten Weltkriegs in den Nachbarländern. Das heizte den politischen Extremismus an. Und den sozialen Abstieg, die rasch wachsende Armut im Land.

Trotzdem spricht  man von den „Goldenen Zwanziger Jahren“, weil kultturelle Freiheit und Vielfalt vor Allem die Haupstadt Berlin durchdrangen. Ein „Tanz auf dem Vulkan“. In München-Schwabing entstand ein lebhaftes Künstlerviertel, mit vielen berühmten Namen. Heute eher ein Ziel von Touristen und der Mittelpunkt des Lebens an der Universität. Das Studiumdort  hat schon lange an Attraktivität verloren, weil die späteren Arbeitsplätze in den Firmen ganz andere Schwerpunkte setzen, unbemerkt schrumpfen  und seit dreißig Jahren das Internet immer größere Möglichkeiten bietet, die längst das ganze Leben durchdringen, aber auch missbraucht werden. Es gab immer wieder Punkte, wo das ganze Netz außer Kontrolle geriet, anonyme Aktivitäten immer aggressiver wurden, bis ein paar  Zuschauer aufwachten. Das ganze Schiff fing an, umzukippen, aber mittlerweile wird besser aufgepasst. Allerdings längst noch nicht so gut wie es sein muss. Auch diese Erkenntnis verbreitet sich immer mehr.

Damals jedoch herrschte extreme wirtschaftliche Not. Am 24.10.1929 kam es in New York zum größten Börsenkrach der Geschichte. Am „Schwarzen Donnerstag“ brachen alle  Aktienkurse zusammen. Am Abend waren viele reiche Finanzinvestoren hoch verschuldet. Damals gab es noch keine weiche Landung, der Staat griff nicht ein. Ein Auslöser des Krachs war eine unbemerkte Spekulationsblase. Zu viele Kunden hatten ihr ganzes Geld auf Firmen und deren Aktien gesetzt, die plötzlich zusammenbrachen. Alle rechtzeitigen Warnungen vorher waren laut verlacht und nicht ernst genommen worden. Doch der lachende Höhenflug war zum steilen Sturzflug geworden.

Viele reiche Finanz-Investoren blieben hochverschuldet zurück, dabei auch viele Firmen, die nun Bankrott anmelden mussten. Die Mitarbeiter landeten, ohne Arbeitslosenhilfe,  auf der Straße, mussten betteln oder trugen selbst gemalte Pappschilder mit dem Text „Nehme jede Arbeit an.“ Eine weit offeneTür für die Kriminalität. Die amerikanische Regierung hatte sogar die schlechte Schnaps-Idee, den Alkohol zu verbieten. Das wurde nicht nur von Al  Capone ausgenutzt. Am 26.12.20 schrieb ich: „Al Capone in Chicago konnte vor hundert Jahren kein einziges seiner stadtbekannten Verbrechen nachgewiesen werden. Aber US-Präsident Roosevelt setzte die Steuerfahndung auf ihn an.  Danach saß er im Gefängnis. Solche Fälle bekommen heutzutage auch die mittleren Führungskräfte in großen Firmen mit. Sie müssen sich da überhaupt nicht einmischen, denn die Polizei kommt von selbst, wenn passende Computerprogramme Alarm schlagen. Auch das wissen Viele nicht.“

https://luft.mind-panorama.de/vulkanausbrueche/ 

Die Weimarer Republik ist ein Musterbeispiel für Katastrophen, die auch heute wieder in der Luft liegen. Beachtet habe ich sie deshalb nicht, weil es so aussah, als ließe sich das riesige Chaos nicht in einer Kurzform bewältigen. Das geht aber bei jedem Thema.

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