Weiße, eng beschriebene Blätter

28.2.2021. Leere Blätter sind eigenlich wertlos. Echte weiße Blätter kommen bald, im Frühjahr und, mit etwas mehr Wärme und Licht. können daraus große Pflanzen werden, vollautomatisch, jedes Jahr. Blüten sind auch der Spitzname für Falschgeld, aber dann dürfen sie niemals weiß sein, sondern mindestens Farbkopien. Selbst das reicht längst nicht mehr aus, weil die Bundesdruckerei unsichtbare Sicherheitsmerkmale einbaut: Fremde Materialien. Hologramme. Logisch unmöglich sind eigentlich sogar weiße, eng beschriebene Blätter. Doch das konnten wir schon als Kinder schaffen: Wenn die Schreibtinte Orangensaft war, blieb sie unsichtbar, wurde aber sofort, beim Erwärmen erkennbar. Heute schaffen das viele Chemikalien, aber sicher und geheim ist das nicht. Texte kann man auch verschlüsseln, aber eine Dechiffriermaschine knackt sie, wenn sie den Geheimcode kennt. Auch harmlose, einzelne Wörter können eine versteckte Bedeutung haben. Das gehörte schon in der Antike zum Alltag, man nennt es Symbolik, Bildersprache und die alten Ägypter waren Meister darin, mit ihren Hieroglyphen. Heute verstehen das nur noch Experten, aber erlernen kann das Jeder. Verworrene Traumbilder im Alltag gehören auch dazu. Die Psychoanalyse hat sie entziffert. Sie sind Hinweise auf Störungen, deren Ursachen man finden und damit restlos auflösen kann.

„Weiße, eng beschriebene Blätter“ sind also kein Unsinn, sondern eine Methode, etwas zu verbergen. Das kann aber völlig nutzlos sein, wenn ein Täter eine Verschlüsselungssprache wie TOR benutzt, die über zahllose Computer weitergeleitet wird und bis heute technisch nicht zu knacken ist. Sie wird für illegale Aktivitäten im Netz benutzt, aber auch deren Teilnehmer müssen immer, miteinander Informationen austauschen. Schon das sind Spuren, die man auswerten kann. Zum Beispiel in sozialen Netzwerken wie Facebook. Es ist sogar recht einfach. Wer Pläne hat, hat auch Lieblingsthemen und deren Wortschatz. Zum Beispiel Stadtplanung. Wer gern darüber diskutiert, gebraucht auch Fachausdrücke oder Expertenwissen. Konzentriert er sich dabei auf eine überschaubare Region, weiß man schon, wo er ist. Meist sind es nicht einfache Mitarbeiter, sondern Führungskräfte, die eine eigene Wortwahl haben. Und schon wird der Kreis der Kandidaten immer kleiner. Weitere Merkmale sorgen für noch mehr Treffsicherheit. Das funktioniert überall. Bei allen Projekten. Aus Fragen ergeben sich auch Antworten, Rückschlüsse auf die ausgefallenen Besonderheiten und Wissenslücken.

Das kann für Unruhe sorgen, wenn es unbedingt hinter verschlossenen Bürotüren bleiben soll, aber plötzlich in Stammlokalen von neugierigen Schwätzern durchgekaut wird. Auch als völlig Unbeteteilgter kann man dann zuschauen, wie eine Panik-Attacke abläuft. Aufgerissene Augen, tiefes Durchatmen ud das fluchtartige Verlassen einer gemütlichen Runde. Aber das weckt neue Fragen, für die Zurückgebliebenen, wenn sie sich mit dem Thema sowieso gut auskennen.

Das Alles kann Jeder vermeiden, wenn er offen ist, gern Auskünfte gibt, dabei aber genau weiß, wo die Grenzen liegen. Denn sonst kann es sehr unangenehme, teure Folgen haben. Vertrauensstellungen gehen blitzschnell verloren, gut bezahlte Führungsplätze auch. Und es spricht sich herum. So etwas kann man sogar absichtlich provozieren, aber das habe ich niemals gemacht. Ich mag es nicht, und zerschlagenes Porzellan hinterlässt mehr Scherben als es wert ist.

Aber wenn das trotzdem passiert, landet es beim gemeinsamen Kaffee der Kollegen, in Kantinengesprächen. Und als Zuhörer erlebt man dann charakterliche Gemeinheiten, die man eigentlich nur aus ganz schlechten Filmen kennt. Nicht sofort, aber die startbereite Gerüchteküche öffnet sich, die immer viele Köche hat. Vor Allem Dummköpfe, die gern Karriere machen wollen oder deren Lieblingsgerichte gute Beurteilungen und Leistungsprämien sind, die sie gar nicht verdient haben. Das funktioniert sogar erstaunlich oft, ruiniert aber jede Firma. Wenn vorher gute Leistungen und Erfolgsbilanzen die Hauptsachen waren, sind es plötzlich Lügner und Betrüger. Die aktuellen Stichwörter dafür, „Wirecard“ und „Open Lux“, findet man sofort, mit jeder Suchmaschine.

Die Notwendikeit von Offenheit und Transparenz gilt nicht nur im Internet, sondern überall. Die Grenzen sind dort, wo es Gründe dafür gibt. Das Recht auf Privatsphäre ist eine Garantie des Grundgesetzes, die zu oft nicht ernst genommen wird, sogar nicht von staatlichen Institutionen. Passend zurechtgebogene Gesetze oder interne,heimliche Anordnungen sind rechtswidrig und Angriffe auf die Verfassung. In manchen Staaten reicht schon das Wegwerfen einer Mülltüte auf der Straße, für eine hohe Geldstrafe. Die Vermeidung von Müll senkt auch die Reinigungskosten. Die schmutzigen Gedanken in vielen Köpfen werden leider, zu oft gar nicht ernst genommen. Das steigert die Kriminalitätsrate. Soziale Netzwerke und Diskussionen wimmeln von Beleidigungen und Drohungen. Stattdessen verzichtet die haftende Redaktion sogar auf mitlesende Moderatoren, die Warnungen und Unzumutbarkeiten weitermelden. Diese Lücke muss längst, ausnahmslos verboten werden. Aber es steigert die Teilnehmerquote und bringt höhere Werbe-Einnahmen.

Private Schnüffeleien sind überflüssig, wenn man nur die öffentlich frei zugänglichen Informationen benutzt. Sie lassen klare Rückschlüsse zu, machen getarnte Netzwerke erkennbar, geplante und vertuschte Straftaten. Die Methoden kann Jeder hier laufend selbst finden und weitergeben. Was sich herumspricht, kann sich nicht mehr verstecken. Darauf hat die Allgemeinheit einen Anspruch, aber nicht auf herumgeplauderte private Daten. Dass es trotzdem ständig geschieht, war bis vor einem Jahr, Ende März, immer häufiger und aufdringlicher erkennbar. Wenn die Welt sich wieder normalisiert, darf es sich nicht wiederholen. Denn auch geheime Finanzströme wurden in den gigantischen letzen Betrügereien, vor Allem bei „Open Lux“, so klar erkennbar wie noch nie.

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