Weltreisen ohne Flugzeug

22.2.2021. Fliegende Kameras (Drohnen) verbreiten sich immer mehr. Sie sind preiswert und leicht zu bedienen. Vom Laptop aus kann man sie fernsteuern, hinterher wandern oder im Auto zuschauen. Sehr eindrucksvoll sind Spaziergänge durch berühmte Städte. Man spaziert hindurch, sieht ihre Sehenswürdigkeiten, das Innere der Kirchen und das Warenangebot in den Läden. Außerdem die Müllberge, die unterschiedlichen Stadtviertel und die Menschen, vor den zur Zeit geschlossenen Lokalen. Zuletzt bin ich so durch Neapel gewandert, durch San Francisco und Los Angeles, wo der bekannte Stadtteil Beverly Hills die Hauptstraße Rodeo Drive hat. In keiner dieser Städte war ich jemals vorher, aber das Gedächtnis speichert das so, als ob.

Bis vor einem Jahr waren die fliegenden Weltreisen ein gutes Gechäft, der Massentourismus bot niedrige Preise, und die Manager in ihren schwarzen Anzügen fühlten sich dabei besonders auserwählt und wichtig. Deshalb gab es nur wenige Videokonfrenzen, denn dabei konnten alle in ihren Büros sitzen bleiben, waren aber noch viel öfter im Fernsehen zu sehen. Die Ergebnisse waren oft dieselben: Wiederholungen ohne Inhalt, leere Phrasen mit noch weniger Arbeitsaufwand. Jetzt geht es aber gar nicht anders, und viel Mehr kommt trotzdem dabei nicht heraus.

Neue Ideen sind Mangelware, neue Projekte wiederholen die alten Muster statt sie zu verbessern. Möglichkeiten dafür gibt es genug. Vielleicht landen sie bei Auserwählten oder Außerirdischen. Neu sind die fliegenden Kameras auch nicht mehr, aber in anderen Bereichen sieht es so ähnlich aus. Jetzt könnte man die Justiz entrümpeln, die Gesetze übersichtlicher und realitätsnäher machen, das Übermaß an bremsenden Mitwirkenden überschaubarer machen, auch die Fehler und deren Folgen. Hier wirken noch Traditionen von vorgestern, der blinde Gehorsam und das Klammern an Gewohnheiten. Es fehlen Internetseiten, die leicht verständlich und übersichtlich sind, als schnell erreichbarer Maßstab für die zeitlosen Regeln der universalen Weltordnung, nicht aber zur Präsentation dicker Gesetzesbücher, mit denen Anwälte streiten und sich durch mehrere Berufungsinstanzen klagen. Das muss zwar auch sein, aber das Gesamtangebot ist zu labyrinthisch und nicht transparent genug.

Außer der juristischen Perspektive gibt es die praktische. Wie viel Zeitverschwendung entsteht durch schlechte Organisation? Man kann das feststellen, wenn es dabei, ausnahmsweise Verbesserungen gibt. Aber große Firmen und staatliche Volkswirtschaften haben ihre alten Schemata. Hierarchien mit einer unfähigen Führungspitze, die auf die Einhaltung der überlebten Vorschriften zu viel Wert legt und sich gegenseitig hochschaukelt. Dann entstehen weltweit Netzwerke, die sich wie Parallel-Regierungen aufführen, aber nicht alle Gesetze ernst nehmen.

Das notwendige neue Denken hat auch ganz andere Risiken. Wenn man Psychologen zuhört, schwafeln sie manchmal verworrene Gedanken zusammen. Das hilft Niemand, aber wenn sich solche Denkmethoden verbreiten, erkennt man sie an der Wirkung. Sie lösen Beschwerden aus und verstärken sie. Auch das kann sich bis in höchste Führungsetagen ausbreiten. Man braucht dafür keine akademischen Kenntnisse, sondern nur eine klare Auswertung der Folgen, deren Ursachen nicht gefälscht sind und Nebensachen zum Rand weg schiebt.

Am letzten Wochenende gab es in München wieder die NATO-Sicherheitskonferenz (SiKo, msc). Statt diese Veranstaltung mit Spitzenkräften und deren unauffällig getarnten Begleitern zu sichern, sie deshalb in ein großes Hotel im einsamen, nervenschonenden Alpen-Hochgebirge zu verlegen, fand das beliebte Treffen gewohnheitsgemäß mitten in der Altstadt statt, in einem bekannten Luxushotel, dicht umgeben von alten Wohnhäusern. Die Teilnehmer des Treffens waren aus Sicherheitsgründen aber kaum in der Stadt unterwegs, dafür wurde vom Stachus bis zum zentralen Marienplatz Alles streng überwacht. Die ganzen Kontrollen wären überflüssig gewesen und brachten auch diesmal nichts. Es ist ein Zeichen der Verschwendung. Statt die zahllosen, vorhandenen sicheren Treffpunkte im Voralpenland auszusuchen, setzte sich ein ganzer Apparat in Bewegung.

Solche Beschlüsse von Bundeskanzlerrin Angela Merkel und ihren Regierungsfreunden sind unverantwortlich, aber kein Einzelfall. Der Staat nimmt ständig hohe Kredite auf, die von der gesamten Bevölkerung zurückzuzahlen sind. Aber die Ursachen für die Ausgaben werden nicht gründlich geprüft, auch nicht in der langen Planungsphase und bei den Spätfolgen. Was weg ist, ist weg.

Die Kosten dafür sind logisch nicht nachvollziehbar. Vor Allem nicht, wenn zur Zeit die bekannten, aktuellen Weltkrisen jede Beweglichkeit einschränken und das Zusperren großer Schlüsselbranchen wie der Gastronomie unfassbare Folgekosten erzeugt, die jeden anständigen Arbeitsplatz bedrohen und damit die Höhe des zukünftigen Lebensstandards. Das ist zwar auch ein politisches Gesprächsthema, wird oft aber zerredet oder weg gewischt. Wer am letzten Wochenende, für eine einzige Groß-Veranstaltung, derart viel Geld überflüssig ausgibt, verliert damit auch, immer mehr das Vertrauen der Bevölkerung.

Wenn das nur ein Einzelfall wäre, brauchte man darüber gar nicht reden. Aber es passiert sehr oft, nach den gleichen Strickmustern. Deshalb muss sich in der Bewertung grundsätzlich Viel ändern. Noch ist das eine Wunschvorstellung, aber wenn nichts geschieht, dann stürzen die Bilanzen ab, die Erfolgswerte in den Firmen und der Zustand großer Staaten. Neue Gesichter in den Regierungen sind oft die alten, die früher nichts gebracht haben. Man kann trotzdem Optimist bleiben. Denn Lösungen gibt es ja. Wer sie verschlampt, unfähig ist oder zu krummen Geschäften neigt. verschwindet täglich immer mehr aus dem Schutz der halbdunklen Schatten, den klebrigen Sümpfen und Spinnennetzen. Viel Zeit und Kosten werden immer noch dafür verschwendet, weil sie schnelle Gewinne erzeugen. Aber Stichwörter wie „Open Lux“, das hier schon mehrfach kommentiert wurde und auch im Wikipedia-Lexikon offen erläutert wird, sind wie Zauberformeln. Damit verschwinden die Gespenster der Vergangenheit, die in den letzten Jahren immer größer wurden, aber wie Vampire, im hellen Tageslicht zu Staub verfallen. Nicht heute, auch nicht überall, aber ihre Zeit läuft ab.

1967 – das waren noch Zeiten als der Geheimagent James Bond mit technischen Spielereien alle wahnsinnigen Verbrecher stoppte, die die ganze Welt beherrschen wollten. Dabei gab es ständig Sensationen. Aber auch ein Beispiel dafür, dass fernöstliche Weisheit entspannt. In der Folge „You only live Twice“ (Man lebt nur zwei Mal) sang Nancy Sinatra die Titelmusik, zu den Worten: „Du lebst nur zwei Mal. Ein Leben für Dich und eines für deine Träume“:

https://www.youtube.com/watch?v=hs8uYxTJ530

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