Wirkungslose Alarmsignale

17.1.2020. Die wirtschaftlichen Alarmsignale werden immer heftiger, aber sie werden meistens nur von kühlen, nüchternen Stimmen mitgeteilt. Manchmal sieht man lange Zahlentabellen, aber sie beschränken sich auf einzelne Themen und Stichworte, und sie werden nicht miteinander verknüpft, vergleichen Vergangenheit und Gegenwart nicht, außerdem nicht die Querverbindungen, finden keine Ursachen und Lösungen. Dafür wird das ständige Geschwätz der Politiker immer langweiliger. Eine lange Schlafkonferenz folgt auf die nächste. Wirtschaftsexperten mit scharfen Blicken und immer gleichen Gesichtern sitzen in zähflüssigen Talkshows. Außer Reden nichts gewesen. Die ökonomischen Kennzahlen sind öffentlich, aber sie werden nur wie trockener Sand auf die Straße gestreut. Als wären sie leblos.

Für die genauen Zahlen ist es egal, wie hoch sie als Ziffernwerte sind. Darum kann Jeder selbst nachschauen, der lesen kann. Aber erst dann sind sie keine Schlaftabletten mehr, wenn man unter die Oberfläche schaut. Besorgniserregend war bisher schon die Arbeitslosigkeit. Jetzt kommt eine Flutwelle von länger bleibenden, von der meisten Arbeit befreiten Kurzarbeitern dazu. Die Gesunden leiden an psychischen Spannungen. Manche vorgetäuschten Frührentner, wirklich nicht alle, wachen aus ihrem Faulheits-Schlaf auf, finden aber keine Opfer mehr für ihre belästigenden Falschspielereien. Die beliebten Versammlungsorte sind geschlossen. Die Gastronomie ist auf Dauer in ihrer ganzen Existenz bedroht. Die Vereine, die Reisebüros, die Konzertveranstalter auch. Depressionen haben nicht nur die Ängstlichen. Sondern auch die mit dem klaren Blick für realistische Prognosen. Und die Nachrichten heizen Panikstimmung an, statt sich auch einmal auf ganz andere Themen zu konzentrieren. Denn Probleme gab es immer schon, dann ist auch das Unterhaltungsbedürfnis größer, nicht zum Wegschauen und sinnlosen Träumen, sondern ganz einfach zur Entspannung.

Ein paar große Räder sind zum Stillstand gekommen, aber viele braucht man gar nicht. Der erste Schritt zur Besserung. Dann folgt die Auswahl, was überhaupt notwendig ist. In der Steinzeit, dem ersten Abschnitt der Menschheitsgeschichte, hatte man solche Sorgen nicht. Und man braucht auch nicht dorthin zurück. Zur Zeit wird übertrieben. Aber man kann sich auch auf Wichtiges konzentrieren. Die Meditation ist eine fernöstliche Entspannungstechnik, bei der man alle Nebensächlichkeiten dämpft. Das ging früher auch in überfüllten Straßenbahnen, wenn man die Technik viele Jahre lang geübt hat. Bis Ende März wurden immer auffälliger – die damals vielen herumtippenden Smartphone-Benutzer, die ihre Tastaturen auch für die Verbreitung von Quatsch aktivierten, für Gerüchte und Dummschwatz, mit Bild und Ton, für verbotene Privatfotos von Unbekannten. Das geschieht immer noch, aber nicht mehr so dummdreist. Vielleicht müssen sie sparen, denn viel Geld springt dabei nicht heraus.

Sportliche Großveranstaltungen sind weg. Schade für die Teilnehmer, die etwas leisten wollen. Die Kultureinrichtungen und die Opernhäuser sind geschlossen. Dort sind jetzt bezahlte Gehaltsempfänger ohne Arbeit, und die Künstler wurden nur dann bezahlt, wenn sie auch der Bühne stehen. Eine Minderheit hat rechtzeitig gespart. Die Mehrheit macht sich Sorgen. In den Schulen wurde auch viel Langeweile verbreitet, aber das Problem ist in der nächsten Zeit auch verschwunden.

Völlig falsch wäre es, hier einen künstlichen Optimismus zu verbreiten. Aber das Leben hat nicht nur eine einzige Farbe.

Die Wahrnehmung der vielen Bewegungen im Äußeren und Inneren hat sich nicht verändert. Aber sie braucht neue Ziele. Was das sein kann, ist Dauerthema dieser Webseite. Auch in den Stichworten unter diesem Text.

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