Zähes Mittelmaß

4.1.2020. Mittelwerte sind oft ein Idealmaß. Bei der Zimmer-und Körpertemperatur. Bei der Arbeitsbelastung. Dem Betriebsklima. Menschenansammlungen. Monologen. Das Übertriebene ist unangenehm. Zu viel Freundlichkeit. Zu breit verzogene Mundwinkel, starrende Blicke. Zu wenig Tempo bremst. Vereint mit Faulheit. Dummheit.

So ist das auch mit der Mitte des Lebens. Vorher weiß man zu wenig, macht Fehler und wird ausgenutzt. Nach vielen Jahren Unzufriedenheit wächst bei der Mehrheit die starre Unbeweglichkeit. Die Selbstüberschätzung. Der Respekt vor anderen Denkmethoden lässt nach. Alternativen werden bekämpft. Auch das ist unangenehm.

In der Lebensmitte ist aber auch ein Überblick möglich, eine Änderung der Zukunftsplanung. Der schlimmste Feind dabei ist das Mittelmaß. Wer zu viel Geld und Macht sich rechtswidrig zusammengerafft hat, wird zum Tyrannen. Ein schlechter Charakter ist mit der Geburt schon vorhanden und ändert sich nicht, nur die Raffinesse der Täuschungsmanöver. Und die Anzahl der Opfer, die Mehrheit, die passiv dazu schweigen oder heimlich mitmachen. Das wird sich im Prinzip nie ändern. Deshalb gibt es Gesetze.

Das Mittelmaß tritt frech und drohend auf. Straftaten wie Beleidigung, Nötigung, Belästigung, Falschbehauptungen, Verletzung der Privatsphäre, Ausspionieren und Psychoterror gehören zum Werkzeugkasten, auch Schlimmeres. Die Polizei ist natürlich überlastet. Dabei reichen ein paar wenige, klare Musterprozesse, mit saftigen Geld- oder Haftstrafen, besonders für intensive Wiederholungstäter, die keine Bewährungsstrafen und Vertrauensstellungen mehr bekommen. Das schreckt zusätzliche Trittbrettfahrer ab. Sie wollen auf keinen Fall in der Zeitung stehen, sie mögen keine Pressefreiheit und wollen keinen Cent Strafe zahlen. Aber damit wird das Massenphänomen sehr schnell, spürbar gedämpft, weil Jeder sich auf solche Urteile berufen und aktiv werden kann. Es gibt viele plaudernde Mitwisser, die jahrelang gern auch mit mit mir gesprochen haben. Sie hinterlassen Spuren, die in elektronischer Form viele Fakten hinterlassen.

Die aktuellen Krisen verstärken die Spannungen, dazu soziale Ungerechtigkeiten und Fanatiker. Den Grinsemännern und den Kicherfrauen ist das Lachen vergangen. Sie können auch nicht mehr in den Straßenbahnen ihre verbotenen Auftritte filmen und fotografieren.

In meiner Lebensmitte, zwischen dem zwanzigsten und vierzigsten Lebensjahr, wohnte ich im westfälischen Münster, 17 Jahre lang. Dann reichte es, aber die Bilder von damals werden immer lebendiger und klarer. Der oberfränkische Dichter Jean Paul schrieb, „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem uns Niemand vertreiben kann.“ So pauschal ist das nicht richtig. Aber schlechte Erfahrungen härten ab und schärfen den Durchblick. Friedrich Nietzsche schrieb: „Was mich nicht umbringt, macht mich stark.“

Münster und München sind äußerlich völlig unterschiedlich, aber die Arbeitsabläufe, das Privatleben und die Erfahrungen sind überall gleich. Münster ist offiziell die westfälische „Provinzial-Hauptstadt“, man kann das abkürzen auf „Provinz-Hauptstadt“. Mit den Einwohnern muss man angeblich einen großen Sack Salz gemeinsam essen, erst dann werden sie Freunde. Das stimmt aber nicht. Es heißt auch: Entweder regnet es dort. oder es läuten die Glocken. An den vielen Kirchen kann sich jeder Fremde orientieren. Und Münster, als Stadt eines wachsamen Bischofs gegründet, von Karl dem Großen, war früher streng katholisch. Dazu passten die vielen Beamten und zentralen Behörden. Da habe ich beruflich angefangen, Aber die Bundesbehörde ist schon seit vielen Jahren ein Großkonzern, und am schwierigsten war es, sich mit eigenen Ideen durchzusetzen. Derartige Feinde können sehr hinterhältig sein, auch wenn sie notwendige Kostensparungen und Arbeitserleichterungen bremsen oder verhindern. Privat kann man sich die Freunde aussuchen. Wer auffällig wird, ist schnell überall bekannt und wird gemieden oder gerichtlich bestraft. Einzelfälle sind das leider nicht. Ich war auch jahrelang Prozessbevollmächtigter der Firma und habe, natürlich gemeinsam mit Rechtsanwälten, in juristischen Streitereien Einiges erlebt. Schlimmeres allerdings in München.

Auf der ganzen Welt, auch in Großstädten ist jetzt Stille eingekehrt. Nicht freiwillig. Aber die „stade Zeit“, die stille Zeit, nenn man auch im bayerischen Dialekt die Vorweihnachtszeit. Übermorgen ist schon der zweite Advent. jeder kann dankbar dafür sein, dass es nicht nur schlechte Nachrichten gibt. Das ist keine weltfremde Träumerei, sondern auch Teil der Realität. Wenn das Viele nicht erleben, kann es an Ungerechtigkeiten liegen. Aber die Bösartigkeit ist in der Welt. Sie zu bekämpfen, funktioniert mit stark verbesserten Computerprogrammen immer besser. Obwohl ich oft hier darauf hinweise und auch die konkreten Wissenslücken nenne., scheint das immer noch eine Geheimsache zu sein. Zweifelsfrei wird sich das ändern. Die Bereitschaft dazu war schon seit Jahren erkennbar. Aber die Bremsklötze sind noch aktiv, das zähe Mittelmaß. Doch oft ist auch die Zeit der beste Freund, und sie steht niemals still. Albert Einstein hat ihre unbekanntesten Eigenschaften genau erforscht. Wenn man, rechts oben auf dieser Seite, als Suchbegriff nur seinen Namen eingibt, versteht man sofort, warum.

Und das gehört auch dazu:

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