Zerbrechende Eisplatten

26.2.2021. Eisplatten zerbrechen nur, wenn sie dünn sind. Sonst schützt sie ihre Härte. Bei höheren Temperaturen schmelzen sie. Das hat sich schon seit Jahren beschleunigt, durch die Erderwärmung. Man sieht es auch in den Alpen, weil die Gletscher kleiner werden. Die Gefahr, dass die Schmelze auch die Erderwärmung steigert, ist bekannt, aber es gibt noch kein Mittel dagegen, außer der Veränderung der Lebensgewohnheiten. Das ist ein Universalmittel, in allen Krisenbereichen.

Stahl ist noch härter als Eis. Aber da lässt sich tricksen. Wenn die Herstellung manipuliert wird. Oder wenn es zu einem Tresor noch geheime Schlüssel gibt. Oder wenn versteckte Hohlräume eingebaut werden, deren Inhalt Schaden anrichten kann, zum Beispiel durch Abhörtechnik. Das ist ganz alltäglich, aber Vielen gar nicht bekannt.

Noch schlimmer ist es, wenn in den aktiven Projektgruppen sich Verräter einschleichen. Dann lassen sich selbst die dicksten Türen öffnen oder laufend wandern vertrauliche Informationen nach draußen. Ein vollautomatischer Selbstzerstörungs-Ablauf.

Aber nicht der Schlimmste. Wenn es sich nur um einen Einzelfall handelt. Aber die Technik kann mehr. Für Experten lassen sich überall Schwachstellen einbauen. Wenn Niemand sie entdeckt. Das aber wird in Zukunft immer häufiger geschehen. Es fehlen nur noch Warnsignale und Störungsmelder, die tiefer unter die Oberfläche gehen. Totalüberwachung hilft da aber gar nichts, weil sie lückenhaft und verboten ist, auch bei gesteigerten Anstrengungen. Und wenn eine Organisation innerlich krank ist, werden gar keine Verräter mehr gebraucht. Weil fehlerhafte Systeme sich selbst zerstören, ohne jede technische Hilfe. Das Wundermittel dagegen ist eine Untersuchung der Arbeitsabläufe. Perfekte Maschinen erzeugen solche Fehler selbst gar nicht. Sie stecken aber tief drin, im Gesamtgetriebe. In der Bewertung. Mein größtes berufliches Problem waren nicht die Alltagsgewohnheiten, sondern wenn sie falsch waren. Statt das zu ändern, haben ganze Führungsebenen ihre Ohren auf Durchzug gestellt. Oder sind aggressiv geworden. Früher war das normal. Aber es gibt nicht nur technische Verbesserungen.

Die Logik ist viel umfassender, weil sie sich nicht nur auf ein paar enge Perspektiven konzentriert. Da bleiben dann die bestellten Schneeräumer sitzen und schlafen. Das griechische Original der Bibel beginnt mit dem Satz „Am Anfang war die Logik“ (Logos). Also nicht „das Wort“, wie in der deutschen Übersetzung. An einem Silvesterabend hat mir das eine Dame erklärt, die behauptete, sie arbeitete im griechischen Außenministerium. Aber sie hatte einen auffälligen russischen Akzent. Ein paar Wochen später trat sie im Fernsehen auf, dabei wurde ihr Name eingeblendet. Es war tatsächlich eine Russin. Eine Expertin. Aber ihr Wissen hatte Lücken, denn sonst hätte man sie nicht durchschauen können.

Sie wollte das auch sicherlich nicht. Dieser Fall war sonst völlig harmlos, sogar gedanklich anregend. Aber man kann darüber nachdenken, ob sie auch sonst immer die volle Wahrheit sagt. Und dieses Thema hat, ganz allgemein, sogar einen sehr hohen Stellenwert. Gerade in sensiblen Bereichen ist es eine Gefahr. Wem kann man vertrauen?

Wenn mehr als nur eine Person ein Geheimnis kennt, ist es schon verwundbar. Eine Gruppe hält da zwar zusammen und vermeidet solche Fehler. Aber einzelne Mitwisser können Schaden anrichten. Wenn es Viele sind, wird die Sache sogar ganz unkontrollierbar. Denn Schwätzer plaudern. Sogar ein einzelnes Mail kann vom Empfänger unbegrenzt weiter verbreitet werden. 1990 war das Internet noch kein Massenphänomen. Aber plötzlich landeten in der ganzen Firma Mails, mit dummen Blondinenwitzen. Die beiden Witzemacher waren sogar mit vollem Namen erkennbar. Nur der Eine hatte, irrtümlich, die falsche Absende-Taste gedrückt: „An Alle“. Darufhin bekam er tagelang auch die verdiente Antwort, von Tausenden seiner Kollegen. Jeder, der dabei „An Alle“ drückte, steigerte die Teilnehmerzahl grenzenlos. Aber nach ein paar Tagen ordnete die Geschäftsleitung an, darauf nicht mehr zu reagieren. Dann kehrte Ruhe ein, aber nicht sofort.

So harmlos ist die Sache nicht immer. Aber für Gesetzesbrecher wird sogar ihre eigene Luft immer dünner. Auch sie müssen überall mit lächelnden Verrätern rechnen. Oder mit besserren Auswerungsprogrammen, die nicht jede kleine Handbewegung überwachen, aber Auffälligkeiten. Wenn der Störungs-Alarm auch noch mit anderen Stichwörtern verknüpft ist, folgt eine Kettenreaktion. Nicht so schlimm wie bei einer physikalischen Atombombe, aber von der Wirkung her gar nicht mehr zu steigern.

Solche Hinweise stammen aus persönlichen, schlechten Erfahrungen mit Betrügern, aber auch aus der Konzentration auf allgemein zugängliche Informationen. Erstaunlich ist dabei, dass es solche Fälle immer noch gibt, und das gar nicht selten. Obwohl die Medien laufend darüber berichten, Ursachen und Querverbindungen genau analysieren, fühlen sich zu viele Beteiligte trotzdem unangreifbar. Das allerdings ist eine Seifenblase. Man kann sie vermeiden, indem man keine neuen in die Welt setzt. Fehler macht Jeder, aber wer sie absichtlich macht, kann das unvermeidliche Ende jetzt schon voraussehen.

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